Zu Fuß von Bous nach Völklingen
entlang der Saar

16. Mai 2012

Zugegeben, der Fußweg entlang der viel befahrenen B51 von Bous nach Völklingen bietet keinen klassisch schönen Spaziergang, aber seltene und beeindruckende Blicke auf Teile der Industrielandschaft, die das Saartal rund um Völklingen prägt:

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Spaziergang auf dem
ehemaligen Kokereigelände in Fürstenhausen

9. Mai 2012

Im Laufe der Jahre sammelt sich in meinem Beruf eine beachtliche Menge Elektroschrott an. Es war an der Zeit, zum Völklinger Wertstoffhof zu fahren, der im vergangenen Jahr von Geislautern aufs alte Kokereigelände in Fürstenhausen umgezogen ist. Und wo wir schon mal da waren, machten wir auch einen kleinen Spaziergang übers Gelände. Nach der Sprengung des unter Denkmalschutz stehenden Gasometers im September 2008 ist zwar von der einst riesigen Kokerei nichts mehr da außer dem Gerippe eines Kühlturms, aber interessant fanden wir’s trotzdem.

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40 Jahre lang wurde hier von 1959 an Koks „gebrannt“, und wenn auch von der Kokerei mit ihren acht Batterien außer dem Kühlturmgerippe nichts übrig blieb, lohnt sich doch ein Besuch: Hier lässt sich auch heute noch ganz hervorragend ablesen, wie die frühere Montan-Verbundwirtschaft funktionierte: Kohleförderung, Verkokung, Stromgewinnung und die Eisen- und Stahlerzeugung fanden auf engstem Raum im Umkreis weniger Kilometer statt. Der Klarenthaler Dellbrückschacht, die beiden Richard-Schächte der Grube Luisenthal, der frühere Kohlenverladeplatz in Luisenthal, das ehemalige Kraftwerk dort, das in Fenne, das Umspannwerk Stangenmühle, die Völklinger Hütte und das Blasstahlwerk – alles ist in Sichtweite.

Die Völklinger Fischzuchtanlage ließen wir links liegen.

Maiausflug auf die „Grühlingshalde“

2. Mai 2012

Für unseren 1. Mai-Spaziergang hatte meine Frau sich die Grühlingshalde ausgesucht. Die Abraumhalde der ehemaligen Grube Jägersfreude ist über verschiedene Wege zugänglich; wir gehen am liebsten von einer kleinen Parkbucht hinterm Orstausgang Rastpfuhl los. Das ist zwar der beschwerlichste Weg, aber er bietet auch die schönste Annäherung an den bizarr von Erosionsrinnen zerfurchten und weitgehend vegetationsfreien Gipfelkegel.

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So gerne wir alleine sind an solch beeindruckenden Orten und die sonst dort herrschende Ruhe genießen, so sehr freuten wir uns zu sehen, dass die Grühlingshalde bei verschiedenen Gruppen von Maiausflüglern angesagt war als lohnendes Ziel. Rund um die Aussichtsplattform verstreut feierten friedlich mehrere Gruppen unterschiedlichen Alters, sangen, spielten Konservenmusik ab und ließen es sich mit den mühsam hochgeschafften Getränkevorräten gut gehen. Schön, dass solche Orte immer beliebter werden; das wird helfen, dass sie auch künftig nicht vergessen und dem Verfall überlassen werden.

[ zu PopArt-Bildern der Grühlingshalde
und anderen Halden an Saar, Rhein und Ruhr ]

Und er bewegt sich doch:
Völklinger Stadtrat zum Namen des Stadtteils
„Hermann-Röchling-Höhe“

24. April 2012

Nach allem, was wir in den vergangenen Monaten erfahren mussten über rechtsextrem motivierte Anschläge auf vornehmlich türkischstämmige Völklinger Mitbürger – und das Gewese um ein acht Meter hohes Türmchen in Völklingen-Wehrden –, wäre es ein Zeichen, das die wohlfeilen Lippenbekenntnisse gegen Fremdemhass und (Neo)-Nazitum etwas glaubhafter aussehen lassen könnte:

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Dass die „SZ“ den Sachverhalt schon in der Überschrift verdreht darstellt und damit Waser auf die Mühlen der selbsternannten „Traditionspfleger” gibt, passt leider ins Gesamtbild dieser leidlichen Debatte.

P. S.: Die Stimmen mehren sich: Nur einen Tag später berichtet die „SZ“, dass sich der ehemalige Völklinger Oberbürgermeister Hans Netzer in die Debatte eingemischt und OB Lorig mittels einer Ausgabe der „Saarbrücker Hefte“ aus dem Jahr 2004 Nachhilfe in Geschichte gegeben hat. Gut so – hoffen wir, dass es auch fruchtet.

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P. P. S.: Einen weiteren Tag später: Ich lasse alle Hoffnungen fahren. Wer Anstoß nimmt an der Benennung eines Stadtteils nach einem verurteilten Naziverbrecher gegen die Menschlichkeit, muss sich jetzt in Völklingen als intoleranter Fanatiker diffamieren lassen:

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[ zu einem früheren Beitrag zum Thema ]

[ viel Wissenswertes zum Thema auf www.sarrelibre.de ]

Wieder mal unterwegs
in der Carrière Merlebach

3. April 2012

Unsere jüngste Tochter war für ein paar Tage da, mit Mann und Kind. Und fast auf den Tag genau nach unserem letzten Besuch in der Carrière Merlebach schien es uns eine gute Idee zu sein, diesen drei Stadtmenschen eine Landschaft zu zeigen, wie sie sie im Rheinland, wo sie wohnen, so schnell nicht finden können.

Keine 25 Kilometer von Völklingen entfernt, schläft diese riesige, Mutter Erde von Menschenhand zugefügte Wunde, ihren Dornrösschenschlaf.

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Bei aller Ambivalenz: Sich dort zu bewegen, sich dort umzusehen, gehört zum Großartigsten, was man hier weit und breit an „Industrienatur“ erleben kann. Noch ist es ein sehr „privates“ Vergnügen: An einem trockenen und nicht übermäßig kalten Samstagnachmittag waren außer uns nur zwei Angler zu sehen; man hat diese scheinbar unendliche Weite tatsächlich noch meist für sich ganz allein…

[ zu einem früheren Beitrag zur Carrière…]

„Das Saarland nimmt Abschied
vom Steinkohlenbergbau –
eine Rundreise zu Zeugnissen
der ehemaligen saarländischen Schlüsselindustrie“

28. März 2012

In Zusammenarbeit mit dem Institut für Landeskunde im Saarland hatte die Evangelische Akademie im Saarland zu einer Bustour eingeladen und dank der momentanen Präsenz des Themas Bergbau in den saarländischen Medien rund 200 Anmeldungen erhalten. Sonst hat man Mühe, einen 40-sitzigen Reisebus zu füllen. So waren viele unbekannte Gesichter an Bord des ungewohnten 50-Sitzers, und nächsten Sonntag wird die Tour auch ein zweites Mal gefahren.

Es ist erfreulich, dass das Thema so viele Interesse findet. Und auch, dass bei seiner Betrachtung die Schattenseiten von 250 Jahren Bergbau im Saarland nicht unter den Tisch fallen. Wir dürfen das Thema nicht allein den Technikfreaks, Bergbauromantikern und -nostalgikern überlassen. Sicher, die Pflege der bergmännischen Tradition ist wichtig, aber eine unvoreingenommene Betrachtung des Bergbaus in seiner Dialektik nicht minder notwendig: Der Bergbau brachte dem Land und seinen Bewohnern viel Segen, aber auch viel Schatten, und nur, wenn wir beides im Blick behalten, werden wir in der Lage sein, ein zutreffendes Bild der Geschichte zu „zeichnen“. Und dazu ist jetzt die Zeit, wo der aktive Bergbau auf Steinkohlen im Saarland nach über 250 Jahren endet.

Unsere Tour de Bergbau Saar startete in Velsen, wo nach teils heftigen Auseinandersetzungen momentan der Fortbestand des Erlebnisbergwerks gesichert scheint. Ab April will der Verein Erlebnisbergwerk Velsen als Pächter des ehemaligen Lehrstollens Führungen für Gruppen anbieten, jeweils donnerstags und freitags um neun und um zwölf Uhr sowie an jedem ersten Sonntag im Monat um zehn und um zwölf Uhr. Die Führungen übernimmt die Vereinigung der Berg- und Hüttenleute Dorf im Warndt. Wir sind gespannt.

Sehr interessant waren die kurzen Abstecher in Ludweiler und Geislautern; das scheinbar Banale kann so viel offenbaren…

Am Schwalbacher Neyschacht wartete die erste dicke Überraschung auf uns: Herr Haupenthal von der RAG öffnete uns die Maschinenhalle, ein Erlebnis von absolutem Seltenheitswert. Und auch in Ensdorf zeigte er uns die beiden Fördermaschinenhäuser von innen, und sogar die fast hundertjährige Dampfmaschine wurde eigens für uns angeworfen, und ihr Maschinist stand uns Rede und Antwort.

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Vom Mittagessen etwas matt, konnten wir uns fast eine halbe Stunde im Bus erholen, bis wir in Von-der-Heydt ankamen, wo Delf uns einige Besonderheiten des saarländischen Bergwesens anschaulich erklärte. Wir besuchten auch den „Zukunftsort Göttelborn“, wo die IKS offenbar begonnen hat, die eigene Zukunft leichtfertig zu verspielen: Auf der geplanten, offenen „Plaza“ inmitten des ehemaligen Holzplatzes ist ohne Not ein erster unschöner Zweckbau platziert worden. Warum weiß keiner, jedenfalls: Das ursprünglich schlüssige Konzept ist schon dahin. Aber Göttelborn bleibt einen Besuch wert, das gesamte ehemalige Grubengelände ist frei zugänglich, wie auch die Halde und der nahe Kohlbachweiher. Die 200 Meter sanfter Anstieg zum Umkehrpunkt am „Himmelspfeil“ lohnen wegen der grandiosen Aussicht auch für diejenigen, die nicht mehr so gut zu Fuß sind. Sehr zu bedauern ist, dass seit der Duisburger Love-Parade-Katastrophe keine Fahrten auf die 74 Meter hohe Seilbühne des Göttelborner Fördergerüsts, immer noch das modernste der Welt, mehr angeboten werden dürfen, weil – O-Ton – kein zweiter Fluchtweg existiert.

Vorbei an den Pingenfeldern nahe Itzenplitz ging es in den Heiligenwalder Ortsteil selbst, und nach einem Abstecher in Reden, wo wir nicht den Bus verließen, zeigte Delf uns noch in einer unscheinbaren Sulzbach-Altenwalder Seitenstraße die verheerenden Auswirkungen von Bergschäden auf die Bevölkerung. Durch den kleinteiligen Stollenausbau unter Tage „fallen“ die Häuser in verschiedene Richtungen, was nicht nur den Gleichgewichtssinn der Bewohner nachhaltig irritiert. Da die Häuser nicht einsturzgefährdet sind, gibt es auch keine Entschädigung für die Eigentümer. Wer nicht reich ist, bleibt hier wohnen; verkäuflich dürften diese Häuser nicht sein.

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Die Tour vermittelte mehr Eindrücke, als sich hier schildern lässt. Tatsächlich war weniges dabei, was ich nicht schon kannte, aber die komprimierte Form dieser Tour de force setzt mein Puzzle vom Bergbau an der Saar aus den letzten Jahren neu zusammen. Die Veranstaltungen der Evangelischen Akademie im Saarland, des Instituts für Landeskunde wie auch die Führungen und Seminare von Delf Slotta zum Thema sind unbedingt zu empfehlen, und beileibe nicht nur den „Fans“ des Bergbaus.

Glückauf!

Fotografische Spurensuche in Itzenplitz
Ausstellung in Landsweiler-Reden eröffnet.

26. Januar 2012

Im Mannschaftsgang des Zechenhauses in Landsweiler-Reden wurde heute die Foto-Ausstellung „Fotografische Spurensuche im Itzenplitz - ein historischer Bergwerksstandort wird entdeckt” eröffnet. Zur Erinnerung: Das Institut für Landeskunde hatte im Mai 2011 gemeinsam mit der Evangelischen Akademie im Saarland, der Gemeinde Schiffweiler und dem Förderverein Itzenplitz sowie der RAG Montan Immobilien zum Foto-Workshop eingeladen. Zum Start hatte Delf Slotta, Direkter des Instituts für Landeskunde, fast vier Stunden lang alle Interessierten durchs Projektgebiet geführt, und die RAG Montan Immobilien öffnete die Pforten zum normalerweise nicht zugänglichen Gelände der historischen Grube Itzenplitz und hat als ganz besonderes Schmankerl alle Teilnehmer mit einen zünftigen Bergmannsfrühstück bewirtet.

[ zum Beitrag über die Exkursion zum Start des Foto-Workshops ]

Bis September hatten die Teilnehmer Zeit, den Itzenplitz auf eigene Faust zu erkunden und ihre Ergebnisse bei der Evangelischen Akademie einzureichen, wo Hans-Hermann Bendzulla als deren Studienleiter und Delf Slotta dann schlussendlich aus rund 400 Arbeiten die 50 Motive auswählten, die ab heute in Landsweiler-Reden zu sehen sind.

Neben den beiden sprachen heute zur Eröffnung als Vertreter der anderen Mitveranstalter der Schiffweiler Bürgermeister Markus Fuchs, als Vorsitzender des Fördervereins Itzenplitz der Heiligenwalder Ortsvorsteher Rüdiger Zakrewski und Rudolf Krumm von der RAG Montan Immobilien. Alle waren sich einig, dass die geballte Fülle an historischen Bergbauzeugnissen hier vor Ort einzigartig ist und hoben die Bedeutung öffentlichkeitswirksamer Veranstaltungen wie unseres Workshops und der heute eröffneten Ausstellung hervor, wenn es eine Chance geben soll, all das vor dem unwiderbringlichen Untergang zu bewahren.

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Das Spektrum der gezeigten Arbeiten ist breit, die Fülle der Motive und Blickwinkel immens und reicht von ikonenhaften Inszenierungen der Fördergerüste bis zu scheinbar Abseitigem und ganz am Rande sehr leicht zu übersehendem, von ganz oldfashioned auf s/w-Rollfilm Gebanntem bis hin zu digital stark Nachbearbeitetem. Das macht auf jeden Fall Lust, sich den Heiligenwalder Ortsteil Itzenplitz einmal näher anzuschauen mit seiner Vielfalt an Zeugnissen bergbaulicher Vergangenheit, ganz besonders jetzt, im Jahr 2012, wo der Bergbau im Saarland nach über 250 Jahren endgültig endet. Seine alle Lebensbereiche formende Gestaltungsmacht lässt sich im Saarland noch vielerorts ablesen, aber kaum irgendwo so geballt und so facettenreich wie im Itzenplitz.

Die Ausstellung im Mannschaftsgang des Zechenhauses Reden ist noch bis zum 29. Februar, dienstags bis freitags von 9 bis 17 Uhr, an Wochenenden und feiertags von 10 bis 17 Uhr geöffnet. Montags geschlossen. Der Eintritt ist frei.

Asterix und die Kelten –
Neue Ausstellung im Weltkulturerbe Völklinger Hütte

14. Dezember 2011

In den vergangenen Jahren bekamen meine Frau und ich zu den Ausstellungseröffnungen des Völklinger Weltkulturerbes immer persönliche Einladungen per Post. Diesmal nicht. Ob ich hier im Blog zu frech war? Jedenfalls: Wenn ich nicht vorige Woche die Umdekoration vor der Gebläsehalle gesehen hätte, hätte ich es wohl erst aus der Zeitung erfahren. Ich geh’ wohl trotzdem hin. Und dem, was Doris Schmidt im Wochenspiegel schrieb, ist nichts hinzuzufügen; und zwar egal, ob sie es ironisch meinte oder nur vom Weltkulturerbe-Pressetext übernommen hat. Außer vielleicht: „Die spinnen, die Römer.“ Oder die Kelten, ist aber auch egal.

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Demnächst im gleichen Theater: „Mickey Mouse und die Panzerknackerbande – der Stahl, an dem sie sich die Zähne ausbissen.“ Untertitel: Die Wurzeln des Disney-Imperiums – in der Völklinger Hütte? Ich kann nicht mehr, ich lach’ mich schlapp. Und weil ich gerne lache, und fast so lange ich zurückdenken kann, über die Abenteuer von Asterix und seinem dicken Kollegen – immer und immer wieder – herzhaft lachen konnte, gehe ich wohl trotzdem hin. Vielleicht lese ich vorher nochmal ein paar der Sammelbände; immerhin hat Weltkulturerbe-Generaldirektor Dr. Grewenig heute noch im „Aktuellen Bericht“ des Saarländischen Rundfunks gesagt, man habe „alle 34 Bände archäologisch aufgearbeitet“, und – mit Verlaub – das will ich sehen und freue mich auf ein paar Originalzeichnungen und rechne mit ungeahnten Überraschungen! Die Geschichte von Asterix, den Kelten, der Hütte und auch die des Saarlandes muss wohl neu geschrieben werden.

Gehen Sie hin – das gab’s noch nie und wird’s bestimmt auch so schnell nicht wieder geben! Ich geh’ hin!

Doris Schmidts „Phönix aus der Asche“–
Ausstellungseröffnung im Mannschaftsgang
des Zechenhauses in Landsweiler-Reden

22. November 2011

„Phönix aus der Asche“, so heißt das dynamische Ausstellungsprojekt der Saarbrücker Fotografin und Journalistin Doris Schmidt, das sie schon in der Werkstatt des Café Umwalzer des Weltkulturerbes Völklinger Hütte, in der Saarbrücker Zentrale der Sparkasse Saarbrücken und zuletzt im Musée de la mine Carreau Wendel im lothringischen Petite-Rosselle gezeigt hat. 1992 hatte sie als erste die einzigartige Gelegenheit, auf dem – damals nicht öffentlich zugänglichen – Völklinger Hüttengelände ausgiebig zu fotografieren; es entstanden beeindruckende Schwarzweiß-Aufnahmen der Hütte im Verfall. Seitdem kamen immer wieder aktuelle Aufnahmen des Hüttenareals hinzu, und seit 2006 nimmt Doris auch stillgelegte Bergwerksanlagen vor die Linse – in Farbe.

Heute war es so weit, die Ausstellung in Reden zu eröffnen. Das Institut für Landeskunde im Saarland e. V. und die Gemeinde Schiffweiler gaben sich gemeinsam Mühe und heraus kam eine sehr ansprechende und angemessene Präsentation von Doris’ Arbeiten im Mannschaftsgang der ehemaligen Grube Reden. Zur Eröffnung sprachen Institutsdirektor Delf Slotta, der Schiffweiler Bürgermeister Markus Fuchs und Joachim Kiefaber, Staatssekretär im Saarländischen Wirtschaftsministerium, als Schirmherr der Ausstellung. Alle waren sich einig, und ich stimme gern und ohne weiteres zu, dass Reden der rechte Ort für diese Ausstellung ist – und umgekehrt – Doris „Phönix aus der Asche“ einen sehr passenden und absolut sehenswerten Event für den Zukunftsort Reden darstellt.

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Neu dabei sind aktuelle Aufnahmen der Kohlengruben Carreau Wendel, Luisenthal, Göttelborn und Reden samt liebenswerter Detailaufnahmen von der Redener Bergehalde sowie eine Skulptur, in der der Ausstellungstitel „Phönix aus der Asche“ eindrucksvoll Gestalt annimmt: Doris Schmidt hat aus Fundstücken rostigen Eisens, die sie an ihren Aufnahmeorten sammelt, während einer Woche harter Arbeit einen veritablen Phoenix geschweißt, der nicht nur bei mir spontan Besitzwünsche auslöste.

Ich hoffe sehr, dass sich auch nach der sehr gut besuchten Ausstellungseröffnung nicht nur ein paar Zufallsbesucher nach Reden verlaufen werden und wünsche allen Beteiligten den größtmöglichen Erfolg: dem Institut für Landeskunde im Saarland, Doris Schmidt sowieso, und ganz allgemein dem Redener Zukunftsort, weil – nur für den Fall, dass ich es nicht schon einmal an anderer Stelle erwähnt haben sollte – Reden ist Gold!

Ausstellung „Phönix aus der Asche“ – Industriefotografie von Doris Schmidt
22. 11. 2011 – 15. 01. 2012
Institut für Landeskunde im Saarland e. V.
Mannschaftsgang im Zechenhaus der Grube Reden am Zukunftsort Reden
Am Bergwerk Reden · 66578 Schiffweiler

In der „Knubbe-Stubb“:
Vortrag und Ehrung von Delf Slotta
in Camphausen

20. November 2011

Jens Falk vom Institut für Landeskunde im Saarland hatte per E-Mail eingeladen zur „Großen Vortragsveranstaltung“ im Vereinsheim des Bergmannsvereins Fischbach-Camphausen 2000 e. V., der „Knubbe-Stubb“, mit Delf Slotta. Weiter hieß es: „ Die Veranstalter hoffen auf große Resonanz, zumal sich die Mitglieder des Bergmannsvereins Fischbach-Camphausen rund um ihren Vorsitzenden Klaus Busch noch einige besondere Programmpunkte für diesen Tag haben einfallen lassen, darunter auch eine nicht alltägliche Ehrung. Seien Sie also dabei, wenn ein starkes Stück saarländischer Bergbaugeschichte und Industriekultur präsentiert werden.”

„Hm“, dachte ich. Die häufig sozialromantisch verklärte bergmännische Traditionspflege ist ja an sich nicht so mein Ding, aber da auch Delf mir sagte „Das wird gudd.“, ging ich dann doch hin und muss sagen: Nicht wenig beeindruckt ging ich wieder raus aus der Knubbe-Stubb. Das Vereinslokal ist liebevoll mit Versatzstücken aus dem bergmännischen Arbeitsalltag dekoriert, die Preise für Speisen und Getränke sind mehr als das sprichwörtliche „zivil“; fast erinnern sie an das Niveau früherer Kaffeeküchen, alles ist – und alle sind – freundlich und unkompliziert. Und: Die Knubbe-Stubb war voll bis auf den letzten Platz, der ganze „Laden“ bebte förmlich vor Erwartung. Und Delfs Vortrag enttäuscht niemanden: In der Sache kompetent, im Ton verbindlich und ganz ohne Romantik arbeitet er den Werdegang der Grube von ihren Anfängen bis zu ihrer Schließung auf, verwies nachdrücklich auf wenig bekannte Aspekte bergbaulichen Lebens, die sich heute noch in der Gegend ablesen lassen und versäumte es auch nicht, den Zeigefinger zu erheben und an die Verantwortung zu erinnern, die gerade ehemals aktive Bergleute und Bergmannsvereine haben, sich nicht in romantischer Retrospektive zu erschöpfen, sondern einen aktiven Beitrag zu leisten, nachfolgenden Generationen ein realistisches und zutreffendes Bild der bergbaulichen Vergangenheit weiter zu vermitteln. Dafür erntet er fast frenetischen Beifall, begeisterte Pfiffe und „Bravo“-Rufe!

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Delf wurde dann noch nach peinlich genauer Sachkundeprüfung – ein weiteres Mal – zum Ehrenhauer ernannt; und auch, wenn ich kurz nach dem obligatorischen Steigerlied schon ging, bin ich sicher, damit war der Abend in der „Knubbe-Stubb“ noch lange nicht zu Ende. Mein Eindruck vom Wirken des Camphausener Bergmannsvereins war ein sehr wohltuender, sehr positiver und nicht zum vorgefertigten Klischee solcher Vereine passender: Hier ist man sich der Dialektik des Themas Bergbau bewusst, zumindest ist man offen für die dialektische Betrachtung des Themas. Der Vereinsvorsitzende, Klaus Busch, bot der anwesenden Quierschieder Bürgermeisterin Karin Lavall, jede denkbare Unterstützung an im politischen Ringen um den Erhalt des Camphausener Förderturms, immerhin der erste seiner Art weltweit. Ich kann wirklich nur sagen: „Hut ab!“ und „Glück Auf!“

P. S.: Für die wenigen, die es vielleicht nicht wissen: Knubbe, Gnubbe oder Knubben nannten früher Bergleute ihre Überstunden – und sei es, dass sie am Kneipentresen abgeleistet werden mussten…

Unterwegs in Neunkirchen-Heinitz mit Delf Slotta
Terra incognita der saarländischen Bergbaugeschichte

20. November 2011

Trotz frühem Sonntagmorgen und Mitte November fanden sich vierzehn Unverzagte in Neunkirchen-Heinitz ein, um sich von Delf Slotta die wenigen dort erhaltenen Bergbaurelikte zeigen und erklären zu lassen. Heinitz ist, ich wusste es auch nicht, nicht nur wahrscheinlich einer der ersten Orte weltweit, an denen Menschen Kohlen förderten – schon im 7. oder 6. Jhdt. v. Chr. wurde hier Kännelkohle gefördert zur Herstellung von Schmuck, wie Grabbeigaben aus dieser Zeit belegen. Nein, Heinitz war auch einer der größten Grubenstandorte im Saarland. Und wenn davon auch nur noch sehr wenig zu sehen ist, verstand es Delf hervorragend, uns anhand dessen eine sehr eindrückliche Vorstellung von dem zu vermitteln, was hier früher einmal los war.

Treffpunkt war der Heinitz-Stollen, dessen beeindruckende Mundlocharchitektur zwar nicht mehr am Original-Standort steht, aber immerhin seit 1982 restauriert ist, und deren Erhaltung wohl als sicher gelten darf. Direkt auf der anderen Seite der Moselschachtstraße und für Uneingeweihte nicht zu erkennen: der Bergfestplatz, wo in den Hochzeiten des Saarbergbaus alle zwei Jahre ein Fest von heute unvorstellbaren Ausmaßen gefeiert wurde – als Bestandteil der die Bergleute und ihre Familien an den Arbeitgeber bindenden und sozialreformerische, sozialdemokratische und gewerkschaftliche Aktivitäten unterbindenen „Sozialfessel“.

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Highlight der heutigen Exkursion war natürlich die ehemalige Kokereigasmaschinenzentrale in Heinitz, die erhaltene Halle eines früheren Kraftwerks, mit ihrer Jugendstil-Architektur, wie sie in Deutschland nur in Dortmund-Bövinghausen auf der Zeche Zollern eine Entsprechung findet, ein Denkmal von nationalem, wenn nicht gar internationalem Rang, das leider vor sich hin verrottet. Eine Sanierung würde geschätzte 5 – 7 Millionen Euro verschlingen; ohne eine Idee, wer sie danach wofür nutzen könnte, gewiss niemals zu stemmen. Und eine diese Kosten wieder „einspielende“ Nutzung – in dieser Lage und Umgebung – und der dazu passende Investor sind realistisch nicht so schnell zu erwarten. Immerhin: Die Stadt Neunkirchen nutzt die Halle mittlerweile zur Einlagerung von Streumitteln für ihren Winterstraßendienst. Das ist kein bisschen „sexy“ und sicher auch nicht wirklich „würdig“ oder auch nur einigermaßen passend, aber es bewahrt das herausragende Denkmal erst einmal vor dem Abriss.

Heinitz ist ein Ort, dem – wie dem gesamten Thema „Bergbauliches Erbe im Saarland“ – wesentlich mehr Aufmerksamkeit und Beachtung zu wünschen ist. Vielleicht wird’s ja 2012 ein bisschen mehr, wenn hier an der Saar der Bergbau auf Steinkohlen endgültig endet. Glück Auf!

24. Oktober 2011

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[ zu meinen Pop Art-Bildern der ehemaligen Gießerei Schulde ]