Grenzüberschreitende Kunstausstellung in Forbach – Exposition transfrontalière d’art à Forbach

24. November 2014

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Am 5. Dezember 2014 eröffnen Völklingens Oberbürgermeister Klaus Lorig und der Forbacher Député-Maire Laurant Kalinowski anlässlich des 50-jährigen Bestehens der Städtepartnerschaft von Forbach und Völklingen im Forbacher Hotel de ville eine Ausstellung mit 26 Bildern von mir.

Fast ein Jahr lang durfte ich im Auftrag der Stadt Völklingen immer wieder durch die beiden Partnerstädte streifen und sammelte Eindrücke mit der Kamera ein. Dabei entstanden mehrere hundert Schnappschüsse und Momentaufnahmen, die mir als Skizzen dienen sollten für digital erstellte Pop-Art-Umsetzungen. Von diesen wählten der Forbacher ,Directeur Général Adjoint‘ und ,Directuer Service Publics‘ Jacques Dahlem und Karl-Heinz Schäffner, ,Leiter des Fachdienstes VHS, Kultur, Sport und Archiv‘ der Stadt Völklingen und Initiator des Projektes, gemeinsam mit mir 13 Bildpaare aus, die als großformatige Leinwanddrucke auf Keilrahmen in direkter Gegenüberstellung Gemeinsamkeiten und Gegensätze der beiden Partnerstädte beleuchten.

Zur Ausstellungseröffnung am Freitag, den 5. 12. um 18 Uhr sprechen im Foyer des Forbacher Rathauses neben Klaus Lorig und Laurant Kalinowski die deutsch-französische Ärztin Beatrice Gospodinov, die uns an ihren Erfahrungen aus 30 Jahren Leben und Arbeiten beiderseits der deutsch-französischen Grenze teilhaben lässt, und Delf Slotta, Regierungsdirektor im saarländischen Wirtschaftsministerium, Industriekulturexperte und Direktor des Instituts für Landeskunde im Saarland. Stéphane Hacin, Leiter der Forbacher Theaterschule ,l’Ecole de Théâtre Jacques Ropital‘ zeigt dazu den 2012 mit Unterstützung der Mairie Forbach produzierten Stop-Motion-Film ,Forbach (Stage)’ – und wie man mir immer wieder versichert hat, soll der ,vin d’honneur‘ ganz ausgezeichnet sein.

Die Ausstellung ist zu sehen bis zum 29. Dezember und bleibt danach als Geschenk der Stadt Völklingen an ihre Partnerstadt in Forbach. Im Mai 2015 wird sie im Alten Rathaus Völklingen wieder zu sehen sein.

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Die Ausstellung ist zu sehen bis zum 29. 12. 2014 (Tag des Abbaus).

Die Öffnungszeiten sind:
Montag – Donnerstag: 8.00 – 12.00 + 13.30 – 17.30 h
Freitag: 8.00 – 12.00 + 13.30 – 16.30 h
Samstag: 8.00 – 12.00 h (uniquement pour l’état civil)

Der Eintritt ist frei.

Wieder geöffnet:
Der Saarbrücker Schwarzenbergturm

31. Oktober 2013

Wir waren bestimmt seit zwanzig Jahren nicht mehr da; dabei war er erst seit Juli 2012 nicht mehr zugänglich: Der 1930 – 1931 erbaute Schwarzenbergturm im Saarbrücker Stadtwald, Anfang der 1990-er Jahre ein beklemmender Ort, das Treppenhaus über und über vollgesprüht mit Nazi-Parolen; immer fürchtete man, deren Urhebern zu begegnen. Doch jetzt, frisch renoviert für gerade mal 260.000 Euro, womit man – ja, sowas gibt’s – gut 50.000 Euro unter den geplanten Kosten blieb, ist er wieder öffentlich zugänglich, täglich von 8 bis 18 Uhr, vorerst für vier bis sechs Wochen, je nach Wetter, und im Frühjahr 2014 gibt’s dann die offizielle – und bestimmt auch feierliche – Wiedereröffnung.

Die SZ hatte berichtet, das Wetter war schön und versprach weite, klare Sicht, also kramten wir in unserer Erinnerung, wie man da hin kommt und los ging’s.

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Dank SZ waren wir natürlich nicht die einzigen, aber es war okay, alle waren aufgeräumter Stimmung, Smalltalk allerorten, und von Glatzen weit und breit keine Spur. Zwischen Aufstieg zum Turm (er steht ja auf einem Berg) und Aufstieg  auf den Turm empfiehlt sich eine kleine Pause, zumindest, wenn man keine fünfzig mehr ist; 241 Stufen sind nicht nichts, aber dann… kann man eine Aussicht genießen über den Saarbrücker Stadtwald, die ihresgleichen sucht. Der Saarbrücker Schwarzenbergturm: bei sonnigem Wetter und klarer Sicht eine echte Empfehlung, auch wenn man nicht, wie wir, persönliche Erinnerungen damit verbindet!

Denkmaltag und Ausstellungseröffnung:
Weltkulturerbe Völklinger Hütte
zweimal in sechs Tagen

16. September 2013

Im Fokus des diesjährigen „Tag des Offenen Denkmals“ am Sonntag, den 8. September sollten „unbequeme“ Denkmale stehen. Denkmale, die von vielen nicht als schön – oder als nicht schön – empfunden werden, Denkmale, die an Ungeliebtes erinnern, Denkmale, die nicht den ästhetischen Massengeschmack bedienen, Denkmale, für die es schwer fällt, gesellschaftlichen Konsens herzustellen – für die Kosten ihrer Erhaltung oder gar für ihre Erhaltung selbst…

Das klang nicht nur interessant, sondern führte auch zu einer langen Liste von Orten im Saarland, die an diesem Tag ausnahmsweise einmal öffentlich zugänglich sein sollten, die das sonst nicht sind. Als vierzehn Jahre nach Kriegsende Geborener, der nicht zuletzt durch Erzählungen der Eltern, von Tanten und Onkeln schon sehr früh im Leben begriff, dass es nichts schlimmeres, nichts verheerendes geben kann als Krieg und Faschismus, „reizte“ mich spontan der Luftschutzbunker in Güdingen unter der Autobahnbrücke, einer der wenigen weit und breit, die nach Kriegsende neu gebaut wurden. Außerdem hatten meine Frau und ich gerade ein Buch gelesen, in dem in Kellern durchzitterte Bombennächte eine nicht geringe Rolle spielten…, also gut: Den Bunker in Güdingen wollten wir uns anschauen.

Doch wie so oft im Leben, kam es anders: Wir hatten an diesem Sonntag lange geschlafen, wollten gemütlich und ausgiebig frühstücken, hatten Lust auf Bewegung, wollten gehen an frischer Luft…, so dass uns der recht frühe (und einzige) Besichtigungstermin doch ziemlich unkomfortabel erschien und wir ihn in großer Gelassenheit verstreichen ließen. Stattdessen machten wir uns dann zu Fuß auf den Weg zum Weltkulturerbe Völklinger Hütte. Okay, wir wohnen in Völklingen, aber ziemlich exakt am anderen Ende der Stadt; es war schon ein veritabler Gang, und eine Runde durchs „Paradies“ sollte ihn krönen, bevor wir uns wieder auf den Heimweg machen wollten. Gesagt, getan.

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Es war wohl dem nicht so freundlichen Wetter geschuldet – und der Tatsache, dass der Tag des freien Eintritts vom Weltkulturerbe im Vorfeld nicht an die große Glocke gehängt worden war: Nur erstaunlich wenige Besucher tummelten sich mit uns auf dem weitläufigen Hüttengelände. Wie wir tags darauf aus „der Zeitung“ erfuhren, gerade mal 730 über den ganzen Tag verteilt; nicht mitgezählt die VIP-Führung von Generaldirektor Prof. Dr. Meinrad Maria Grewenig mit u. a. Ministerpräsidentin Annegret Kramp-Karrenbauer, deren Weg wir kurz kreuzten. Zum Bunker in Güdingen zog es rund 230, vielleicht ein bisschen viel für nur eine einzige Führung.

Wir waren zufrieden mit unserer Entscheidung am Denkmalstag und waren nur sechs Tage später schon wieder zu Gast im Völklinger Weltkulturerbe. Der aktuelle Ausstellungsevent „Generation Pop“ sollte feierlich und gewohnt fulminant eröffnet werden, u. a. mit einem „Minifestival“ ab 15 Uhr. Eine Led Zeppelin-Coverband, die Gruppe, aus der nach eigenen Angaben die Beatles hervorgegangen waren und ein aktueller Electro-DJ-Act heizten ein, bevor die offiziellen Reden gehalten wurden. Wir machten um beides einen Bogen und schauten uns in Ruhe die Ausstellung an, bevor der ganz große Rummel losging. Meine Erwartungen an solche Edutainment-Events sind nicht sonderlich hoch, aber solch ein heillos wahllos durcheinander erscheinendes Sammelsurium, subsumiert unter dem Markenbegriff Pop, hatte ich dann doch nicht erwartet: Von den Anfängen der Elektrifizierung, erste Konservierung und Wiedergabe von Tönen, Grammophonen, Plattenspielern, Jukeboxen und Tonbandmaschinen über Gitarren von Keith Richards und anderen Rock’n’Roll-Heroen, Madonnas Bühnenhandschuhen, Outfits von Jimi Hendrix, Tuschezeichnungen von John Lennon beim Cunnilingus mit Yoko Ono bis hin zu überaus sehenswerten Aquarellen von Marilyn Manson, einer handschriftlichen Songtextnotiz von Kurt Cobain, Dutzender goldener und Platin-Schallplatten und -CDs…, ersten Apple-Computern, Spielekonsolen, Sixties-Möbeln, orange Telefonen, kugelrunden TV-Geräten, den ersten „Handies“, Plattencovern und Büchern, Konzertplakaten… bis hin zu den vielen – mit am erstaunlichsten in der gesamten Ausstellung – Wanduhren, die nach einer Sammlung von Dachbodenfunden aussehen. 1500 Exponate sind’s, und ist völlig unmöglich, einen Oberbegriff für sie zu finden. Zwischendrin noch ein schlecht gespachtelter Opel Manta mit Rostansatz, ein 1300-er VW Käfer, ein aktuell als Promotionfahrzeug des deutschen Bio-Lebensmittel-Markenartiklers „Rapunzel“ eingesetzte VW-Bully und ein Kabinenroller aus den 50ern: eine BMW Isetta.

Und just, als wir die Isetta in näheren Augenschein nehmen, hält mir unvermittelt ein Reporter des saarländischen Rundfunks sein Mikrofon unter die Nase und fragt, was ich mit dem Gefährt an Emotionen verbinde. Hm. Wie sollte ich ihm erklären, dass ich gerade meiner Frau (die beim Anblick des Mikros schnell und weise das Weite gesucht hat…) erzählte, wie der leider viel zu früh gestorbene, großartige deutsche Schauspieler Andreas Kunze sich in Helge Schneiders grandiosem Filmepos „Praxis Dr. Hasenbein“ in seiner Rolle als Tante Uschi, Chefin des Waisenhauses von „Karges Loch“ (so heißt der Ort, in dem der Film spielt), mühsam in genau so eine Isetta quetscht, und die Tür erst beim dritten erbitterten Versuch über seinem mehr als stattlichen Bauchgewölbe schließen kann… Erklär’ das mal dem SR! Ich versuch’s gar nicht erst und fasele was von „einfacher Technik“, „wie wenig man zum Fahren“ brauche und, dass ich so was gerne mal spaßeshalber selber fahren würde. Leider fragt er mich dann auch noch, was ich von der Ausstellung insgesamt halte, und, nicht routiniert im Umgang mit Medien und überrumpelt, wie ich bin, sage ich es ihm. Gott sei Dank habe ich noch nicht alles gesehen, und ebenfalls Gott sei Dank hört kein Mensch am Sonntagnachmittag SR2.

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Doch ich will mich gar nicht zu sehr im Negativen ergehen: „Generation Pop“ bietet viele Wiedersehen-Momente mit Bekanntem aus Kindheit und Jugend; sie sehen Dinge wieder, die sie früher einmal ihr eigen nannten oder aber gerne ihr eigen genannt hätten. Es war gewiss eine Herkulesarbeit, all die Exponate zusammenzutragen, mit all den vielen hundert Leihgebern zu verhandeln und einig zu werden. Und so begeisternd es ist, was man so alles anstellen kann, wenn nur genug Mittel zur Inszenierung da sind, so schade ist es aber auch, dass man nicht mehr daraus gemacht hat. Wenn Sie sich eine reflektierende Aufarbeitung des Themas Pop versprechen, vielleicht gar Erhellendes, was Wechselwirkungen von Popkultur und gesellschaftlicher Entwicklung angeht, werden Sie herbe enttäuscht; vergessen Sie’s. Aber wenn der Anblick von Rockstar-Reliquien und Promi-Devotionalien Ihr Herz höher schlagen lässt, werden Sie reichhaltig Aufregung finden. Der Promi-Schaulust-Faktor stimmt ebenso wie der heimelige „Weeß ick, kenn’ ick“-Effekt. Und es ist ja auch nicht alles Mist, was glitzert, aber der Erkenntnisgewinn bleibt letztlich denkbar gering.

Trotzdem: Gehen Sie hin, schauen Sie sich’s an, vieles wird Ihnen Freude bereiten, manches vielleicht sogar begeistern, und das Drumherum, die Völklinger Hütte, das Weltkulturerbe an sich, lohnt sowieso immer einen Besuch, auch den weitesten Weg und die zwölf Euro Eintritt – oder zehn, ermäßigt, wenn Sie z. B. Mitglied des ADACs sind. Und wenn Sie es nicht weit haben und nur ab und zu einen Blick auf den einen oder anderen Bereich dort werfen wollen, oder wenn Sie finanziell arm dran sind, dann gehen Sie Dienstagnachmittags, dann ist ab 15 Uhr der Eintritt frei, und zwar fürs gesamte Weltkulturerbe Völklinger Hütte, nicht nur für die jeweils aktuelle Ausstellung.

Was wird aus der Bergehalde der Grube Velsen?

9. September 2013

Vor ein paar Jahren hieß es noch, die Halde Velsen solle künstlerisch umgestaltet werden. Pläne aus dem Büro des Saarbrücker Design-Professors Hullmann kursierten im Netz, wonach der Haldenkörper in eine vierseitige Pyramide ummodelliert werden sollte. Von der Öffentlichkeit weitgehend unbeachtet wurde schon im Jahr 2008 auf dem Gipfelplateau ein wirklich beeindruckender (und gewiss nicht ganz billiger) Aussichtspunkt geschaffen, nur erfuhr davon keine/r, und öffentlich zugängliche Wege dorthin gibt es bis heute nicht.

Dafür gibt es jetzt Pläne, die Halde zu einem weiteren Standort für Photovoltaik zu „entwickeln“: Fünf Megawatt Strom, ausreichend für den Verbrauch von rund 1000 Haushalten, sollen es werden. Klingt ja erstmal gut, schmeckt aber doch sehr nach Feigenblatt, wenn man bedenkt, dass in Deutschland aktuell so viel Strom wie nie zuvor aus Braunkohle produziert wird. Energiewende? Bis jetzt heißt das ganz praktisch nur, dass immer mehr Strom aus immer dreckigeren und Umwelt zerstörenden Quellen erzeugt wird. Und ausgerechnet die RAG sorgt für den grünen Anstrich, indem sie auf jeder Halde, auf jedem Maulwurfshügel, für die sie keine Abnehmer findet, ein paar Sonnenkollektoren oder Windräder plant. Ob’s je zum Aufstellen kommt, weiß kein Mensch…

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Einen öffentlichen Zugang zur Velsener Halde gibt es immer noch nicht; ein Fahrweg führt über die benachbarte Mülldeponie, über die man zwar zu Fuß vom ehemaligen Absinkweiher zur Bergehalde gelangen kann, aber wer will schon über den stark kontaminierten Müllhaufen stiefeln. Die Abdeckarbeiten sind noch nicht abgeschlossen, und vorne zur Warndtstraße hin versperrt ein massives Eisentor den Weg. Also arbeiteten wir uns wieder die Bermen hoch; immerhin: Kein Zaun oder Verbotsschild verwehrt einem das, und mit ordentlich Profil an den Schuhsohlen ist es auch kein größeres Problem.

Vor viereinhalb Jahren waren wir begeistert vom damals aktuell neu gestalteten Haldenplateau und dem grandiosen Rundumblick. Heute tat es weh, den immer noch nicht offiziell zugänglichen Aussichtspunkt so verwildert vorzufinden, dass die Aussicht zum Teil behindert wird. Frische LKW-Reifenspuren lassen ahnen, dass sich „Offizielle“ kürzlich den Ort angesehen haben. Photovoltaik und Naherholung sollen hier miteinander verbunden werden, aber es gab ja auch schon andere Pläne… Warten wir ab, was wird.

[ Zu einem früheren Beitrag über die Halde Velsen ]

Die Ensdorfer Bergehalde Duhamel
– Wie steht es ums Saarpolygon?

9. September 2013

Uns stand der Sinn nach weitem Blick, und so fuhren wir mal wieder nach Ensdorf, zur Halde Duhamel. Neugierig waren wir auch, ob es schon sichtbare Fortschritte gibt, was die Errichtung des „Saarpolygons“ angeht, dem zentralen Denkmal für den im Juni 2012 beendeten Steinkohlenbergbau an der Saar. Ursprünglich sollte es ja schon am 30. Juni 2012 feierlich eröffnet werden, aber – es hat nicht sollen sein. Aktueller Stand ist, dass die Ausschreibung für den Bau der Landmarke wiederholt werden muss, da sie nur Angebote einbrachte, die von den Vorgaben abwichen und den Kostenrahmen erheblich überschritten. Jetzt heißt es, die technischen Vorgaben zu überarbeiten, möglichst unter Beibehaltung des Erscheinungsbildes, und – wenn alles gut geht – noch in diesem Jahr eine zweite Ausschreibung zu starten.

Wir parkten unser Auto in der Nähe des Endorfer „Sportzentrums“ am Fuß der Halde und machten uns an den Aufstieg. Um uns etwas Abwechslung zu gönnen, nahmen wir den „Steilaufstieg“, was sich als Fehler herausstellte. Zumindest wenn man keine fünfzig mehr ist und etwas außer Kondition, ist man mit dem „Flachaufstieg“ besser bedient. Der letzte, steile „Stich“, den beide Wege wieder gemeinsam haben, ist Herausforderung genug.

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Nach ein paar kleineren Pausen kam auch ich japsend oben an und war dankbar für die „Sinnenbänke“, von denen auch eine für uns frei war. Von Vorbereitungen fürs Saarpolygon ist nicht viel zu sehen: Die Anlage, mittels der die Halde mit Berge beschickt wurde, ist abgebaut, das Plateau ist eben planiert, und außer einem Container weist nichts auf bevorstehende Bauarbeiten hin. Auch die hölzerne „Himmelsleiter“ fanden wir nicht mehr vor. Ich dachte, sie sei schon in Vorbereitung für das Polygon entfernt worden, da nichts mit diesem auf dem Plateau konkurrieren optisch soll. Aber eine kleine Online-Recherche tags darauf ergab, dass die Himmelsleiter im August 2011 von Unbekannten in einer illegalen Nacht-und-Nebel-Aktion „erlegt“ worden ist. Nahe liegt die Vermutung, dass aufgebrachte Paraglider sie absägten; stellte sie doch für diese eine nicht geringe Gefährdung dar. [ Die Saarbrücker Zeitung berichtete ]

Aber von all dem unberührt ist natürlich die grandiose Aussicht von der Ensdorfer Halde auf die vielfältige (Industrie-)Kulturlandschaft im Saartal. Der Weg aufs Plateau der Ensdorfer Halde Duhamel lohnt immer wieder; es muss ja nicht die „Steilstrecke“ sein.

[ zu einem früheren Beitrag zur Landmarke ]

[ zu einem Bericht über den Landmarken-Wettbewerb ]

Der Schlot am Beckerturm,
er ist nicht mehr.

28. August 2013

Am 28. August 2013 genügten rund acht Kilogramm Sprengstoff, um den Schornstein der St. Ingberter Bierbrauerei Becker kontrolliert zum Einsturz zu bringen. Mit seinen 65 Metern Höhe überragte er weithin sichtbar das als „Beckerturm“ bekannte Sudhaus der Brauerei und bildete mit diesem zusammen das Wahrzeichen der Stadt St. Ingbert.

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Nun, er ist nicht mehr. Ihn zu renovieren, hätte wohl eine halbe Million Euro gekostet, was dem Eigentümer und Betreiber des „Innovationspark am Beckerturm“ nicht zuzumuten war. So gaben die Denkmalschutzbehörde und alle weiteren Verantwortlichen ihren Segen zur Sprengung mit dem – sicher richtigen – Verweis darauf, dass ein Schlot wie dieser keine besondere Aussagekraft als Denkmal besitze und es Schornsteine wie ihn, selbst in dieser Größe, im Saarland zuhauf gebe. Nach meinem Empfinden allerdings stellte er ein integrales Bestandteil des Denkmals Becker-Brauerei dar, und der – und ganz St. Ingbert – fehlt jetzt ’was, und zwar unwiederbringlich.

Nehmen wir’s als Übung: Vom saarländischen Bergbau wird in den kommenden Jahren auch einiges verschwinden.

P. S.: Die oben gezeigten Fotos des Becker-Areals stammen aus dem Jahr 2009; ein PopArt-Bild des Beckerturms samt Schornstein aus dem gleichen Jahr finden Sie hier.

Auf Erkundung unterwegs
im lothringischen Minette-Revier

17. Juli 2013

Ursprünglich wollte Delf Slotta sich die vierzehn oder fünfzehn im Ruhrgebiet erhaltenen Malakofftürme ansehen und hatte mich gefragt, ob ich mitkommen wolle. Klar, keine Frage, und gleich fielen mir dutzendweise Orte ein, die ich dort gerne (noch) einmal sehen und fotografieren wollte. Ruckzuck waren wir bei Überlegungen, aus einem Tag zwei oder drei werden zu lassen, bis wir dann doch der Stimme der Vernunft folgten und uns stattdessen für einen Tag ins ostlothringische Minette-Revier aufmachten, wo Delf als Vorbereitung für Bustouren mit der Evangelischen Akademie und dem Verein Geographie ohne Grenzen einige „neue“, zusätzliche Stationen erkunden wollte.

Um halb sieben in der Früh ging’s los, und dank des Autobahnausbaus in Luxemburg waren wir eine gute Stunde später auch schon in Esch-sur-Alzette, wo wir nach kurzen Seitenblicken auf Centrale Thermique, Terre Rouge und Esch-Belval über die Grenze nach Frankreich fuhren. Kurz darauf hatten wir nach etwas Suchen in Audun-le-Tiche die erste Station gefunden.

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Wie nicht anders zu erwarten, ähnelte unser Ausflug teilweise einer Schnitzeljagd. Delf hatte die Tour natürlich bestens vorbereitet, aber vieles existiert einfach nicht mehr. In Frankreich geht man mit industriellen Relikten nicht gerade zimperlich um. Und Schilder, deren Fehlen ich im Saarland immer wieder gerne moniere, sind hier noch viel seltener zu finden. „Hier, die Mauer, dort der Zaun, dahinter könnte etwas sein…“ – mit Spürsinn, und teils nur mit viel Glück, fanden wir doch auch das ein oder andere Unerwartete, wie z. B. die beeindruckenden „Reste“ der Eisenerzgrube Pauline, aber so vieles ist einfach verschwunden in dieser Region, die uns so nah und doch so fern ist.

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Hayange wirkt wie eine Stadt im Untergang. Die Vorstellung, hier zu leben, kann deprimieren. Aber wahrscheinlich galt das vor fünfundzwanzig Jahren auch für Völklingen, wo ich mich heute eigentlich recht wohl fühle.

Als besonderes Highlight für den Nachmittag hatte Delf die „Cité Radieuse“ ausgewählt, eine von fünf „Unités Habitations“. Ich hatte keine Ahnung davon, das einer dieser epochalen „Wohnmaschinen“ Le Corbusieurs’ quasi direkt vor unserer Haustür existiert.

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Gute zwölf Stunden, nachdem wir aufgebrochen waren, waren wir wieder zuhause. Wir hatten mehr gesehen an diesem einen heißen Sommertag, als ich mir merken konnte. Manch Ortsname ist mir entfallen, und die eine oder andere unserer Destinationen würde ich wohl auch nicht auf Anhieb wieder finden. Delf kann das, und ich kann jedem Interessierten nur zuraten, an einer der Touren der Evangelischen Akademie oder des Vereins Geographie ohne Grenzen teilzunehmen: Sie lernen aufregende Orte und Stätten kennen, kaum eine Stunde von Zuhause entfernt, und doch so fern, so fremd, dabei nicht unähnlich dem, was auch hier bei uns im Saarland lange allgegenwärtige Realität war. Informationen zu Delf Slottas Exkursionen, Vorträgen und anderen Veranstaltungen finden Sie hier.

Sommerszene 2013 –
Die „guten alten“ Straßentheatertage
sind wieder da.

12. Juli 2013

Seit kaum glaublichen 28 Jahren schon bescheren uns Marion Künster und Charlie Bick – überaus dankenswerter Weise – die Sommerszene, das saarländische Festival des internationalen Straßentheaters. Seit 2007 nur noch alle zwei Jahre; das soll helfen, Geld zu sparen und die Macher zu entlasten, die ja auch – Gott sei Dank – noch anderes zu tun haben. Ich kann mich noch gut erinnern, wie Charlie in den 80ern, nach dem Festival mit einem gigantischen Schuldenberg dastand und nachträglich Sponsoren auftreiben musste, um nicht in die Privatinsolvenz zu schlittern, die damals noch gar nicht erfunden war…

Doch leider hat die Umstellung auf den 2-jährigen Rhythmus die Sorgen um den Fortbestand des Festivals nicht ganz zerstreuen können: Geld für Kultur und Soziales ist knapp; so hat die Stadt Völklingen ihren Beitrag zur Sommerszene gerade mal halbiert. Und das, obwohl soviel Geld da ist wie nie zuvor. Vielleicht nicht gerade in Völklingen, aber insgesamt schon – es ist halt nur scheiße verteilt. Doch das ist – vielleicht – ein anderes Thema.

An 10. Juli ging’s jedenfalls wieder los, und wie immer mit einem Paukenschlag: Nach den gewiss nicht schlechten „La Fanfare en Pétard“, die mit ihrem treibenden Hip-Hop-Brass-Sound durchaus zu begeistern verstanden und schon Stunden vorher am St. Johanner Markt aufgespielt hatten, aber letztlich doch nur als „Vorgruppe“ fungieren konnten, trumpften „Cie Luc Amoros“ auf dem Saarbrücker Schlossplatz als „Opener“ auf, und frag’ nicht, wie…

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Auf und in einem 3-geschossigen Baugerüst führten die – inklusive Musiker – sieben französischen Universalkünstler eine vollkommen neue Kunstform auf. Vor? Elemente klassischen Schattspiels, Malerei, Grafik, Musik, Tanz, Gesang und überaus zivilisationskritische Textbeiträge zu einem stimmigen Gesamtvortrag zu verbinden, mag schon eine große Aufgabe sein, aber sie bringen noch mehr zu Stande: Das Ganze vermag sinnlich zu begeistern, bringt die Hirnmasse zwischen unseren Ohren zum Arbeiten und vermittelt bei aller pessimistischen Weltsicht doch ein positives Gesamterlebnis von wirklich großer – Kunst, auf allerhöchstem Niveau. Obwohl das Gebotene gewiss nicht immer leicht verdaulich war, brandete doch immer wieder Szenenapplaus auf, und nach der Aufführung wollten die Ovationen gar nicht mehr enden. Chapeau, ganz ohne Wenn und Aber.

Straßentheater ist mehr als nur Clowns, Pantomime und Jongleure. Auch wenn es auch von denen in den nächsten 10 Tagen wieder großartige zu bewundern und zu bestaunen geben wird.

Mit der Sommerszene bekommen wir einen Querschnitt der internationalen Straßentheaterszene direkt vor die Haustür geliefert, frei Haus, ganz ohne Dresscode und ohne Eintritt. Nach den Aufführungen werden traditionell Hutsammlungen durchgeführt (Nein, es werden nicht Hüte gesammelt, sondern Geld, und zwar, früher in Hüten, heute in Blechbüchsen.) Sie geben, was Sie wollen, und wenn Sie nichts geben wollen, geben Sie nichts. Theater zum Anfassen, vor der Haustür, noch bis zum 20. Juli, in Saarbrücken, Dudweiler, Völklingen und Dillingen. Der weiteste Weg lohnt, und das detaillierte Programm finden Sie hier:

[ Saarlands Straßentheatertage, die „Sommerszene“ ]

Was ich persönlich ein bisschen schade finde, ist, dass immer mehr Spielorte jenseits „der Straße“ sind. So gerne ich in den Deutsch-Französischen Garten gehe; die Waldbühne dort ist ein Hit… und der kleine Park vor’m Dillinger Schloss ist wunderschön… Trotzdem – ich werde wahrscheinlich langsam alt –, finde ich, dass Straßentheater mitten in die Städte und Dörfer gehört. Die stärkste seiner „Waffen“ ist die Begegnung mit unvorbereiteten Menschen, die einfach nur in ihren eigenen Angelegenheiten unterwegs sind und sich plötzlich, unvorbereitet und unvermittelt mit „Kultur“, in dem Fall mit „Theater“ konfrontiert sehen.

Mir ist klar, dass die Notwendigkeit, ein möglichst großes Publikum zu erreichen, dem entgegenspricht, zumindest im Saarland, aber… schade ist es trotzdem. Und ich erinnere mich mit einem leichten Schauer daran, wie mich vor Jahren in Dillingen eine alte Dame, die seit fast einer Stunde neben mir saß, mich plötzlich unvermittelt fragte, was das hier denn eigentlich sei… Sie war da lang gelaufen, wo sie immer lang läuft, und da war was. Sie blieb stehen und schaute zu, setzte sich irgendwann hin und war begeistert; ich hab’s in ihren Augen gesehen, ganz bestimmt, glauben Sie mir.

Baustellenführung durch den
„Vierten Pavillon“ in Saarbrücken

26. Juni 2013

Über den Vierten Pavillon ist alles gesagt, wenn auch noch nicht von jedem; und wer nicht weiß, wovon hier die Rede ist, sollte ganz schnell woandershin klicken, sonst wird’s langweilig. Auch ich habe nichts Neues dazu zu sagen, außer vielleicht, dass mich manche Kritik am Pavillon fast ein bisschen kulturfeindlich oder zumindest -skeptisch anmutet, nach dem Motto „Wenn wir schon knapp bei Kasse sind, wieso geben wir dann Geld für Kunst aus?“ oder „wenn schon ein Haus für die Kunst, warum dann nicht schön, hübsch und gefällig?“ – Hm. Der Architekturgeschmack unserer Mitmenschen scheint irgendwann vor 120 Jahren stehen geblieben zu sein: Berlin kriegt „sein“ Stadtschloss, aber Sichtbeton als sichtbare Hülle für die immensen Kunstschätze eines Bundeslandes geht gar nicht.

Wie gesagt: Über den Vierten Pavillon ist alles gesagt, wenn auch noch nicht von jedem, und ich bin jetzt auch lieber still. Zur Zeit finden – immer mittwochs um 17 Uhr – öffentliche Führungen durch den Rohbau des Vierten Pavillons statt. „Öffentlich“ ist hierbei relativ, weil… ich fand nirgends, wirklich nirgends näheres dazu. Außer einem kleinen Artikel in der Saarbrücker Zeitung und einem Kurzbeitrag im „Aktuellen Bericht“ des Saarländischen Rundfunks über die erste Führung mit Ulrich Commerçon fand ich nichts, keine Termine, keine noch so kleine Notiz, nichts

Den Vierten Pavillon fand ich hingegen auf Anhieb. Von einer Führung keine Spur. Nicht ganz dumm, wie ich mir zu sein einbilde, stiefelte ich zur Modernen Galerie, und tatsächlich, siehe da, ein Zettel, wo drauf steht, dass man sich zu den Baustellenführungen im Foyer der Modernen Galerie trifft. Allez hopp, ein Mal rum um den Bau, man kennt sich ja aus, auch in Baustellenzeiten, und schon wurde ich gefragt, ob ich mich zur Führung angemeldet hätte. Nein, natürlich nicht. Wo denn? Bei wem? Nirgends ist etwas über diese Führungen herauszufinden; wo soll ich mich da anmelden? Es ging trotzdem. Nur eine „Haftungsausschlusserklärung“ war auszufüllen, dann noch mal rund um’s Haus und dann, Helm auf und rein ins obskure Objekt der Polemik:

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Um es kurz zu machen: Die Sache hat – wie die meisten Sachen – zwei Seiten: Die eine davon ist, wie so oft, die Finanzielle. Da sind ganz sicher Dinge schief gelaufen, ganz und gar aus dem Ruder sogar; und es wird interessant sein, herauszufinden, wer da was, wie und mit wem versaubeutelt hat. Ich hoffe, wir werden es dereinst erfahren, und die Verantwortlichen werden zur Rechenschaft gezogen.

Die andere Seite ist: Dass wir hier, bei uns zuhause, im Saarland, in unserer süßen, kleinen Landeshauptstadt, endlich, endlich, einen Museumsneubau errichten, um endlich, endlich, die grob geschätzten 80 Prozent unseres mit teuer’ Geld angesammelten Kunstbesitzes öffentlich zugänglich zu machen, die bisher im Depot, wenn schon nicht verrotten, so doch für uns alle, für Sie und für mich, unsichtbar bleiben, endlich, endlich sichtbar machen und dazu noch Platz schaffen für Wechselausstellunen mit großformatiger, „neuer“ zeitgenössischer Kunst, das sollte uns freuen, verdammt noch mal!

Schauen Sie sich’s an, raffen Sie sich auf: mittwochs um 17 Uhr im Foyer der Modernen Galerie. Anmeldung erbeten, aber ich weiß nicht wo. Gehen Sie hin. Und: Überdenken Sie Ihren Architekturgeschmack: Autos und Möbel wollen Sie ja auch nicht mehr wie vor hundert Jahren…

Christo im Gasometer:
„Big Air Package“ in Oberhausen

3. Juni 2013

Auf dem Heimweg von der Nordsee legten wir einen Zwischenstopp in Oberhausen ein. Im dortigen Gasometer ist noch bis zum Ende des Jahres die größte Luftskulptur der Welt zu bestaunen. 177.000 Kubikmeter Luft, umhüllt von 20.350 Quadratmetern Gewebe und zusammengehalten von 4,5 Kilometer langen Seilen, machen das „Big Air Package“ zur größten Innenraumskulptur aller Zeiten, die – und das gab’s noch nie – auch von innen zu erleben ist.

Im „Erdgeschoss“ des Gasometers wird in einer großen Ausstellung mit großformatigen Fotos von Wolfgang Volz, Entwurfszeichnungen und Filmen an die bedeutenden Projekte erinnert, die Christo und Jeanne-Claude in den vergangenen fünf Jahrzehnten realisiert haben.

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Beim Betreten des Innerns des „Big Air Packages“ versagt der Gleichgewichtssinn, die Augen scheinen keinen Fixationspunkt zu finden, und für einen Augenblick torkelt man wie auf einem Schiffsdeck bei bewegter See. Die Wirkung ist schwer in Worten zu beschreiben, überwältigend und begeisternd ist sie auf jeden Fall. Die Ausstellung geht noch bis zum 30. Dezember 2013 und ist unbedingt zu empfehlen. Wir wollen auf jeden Fall ein zweites Mal hin.

Neben dem „Big Air Package“ ist natürlich der Gasometer als Bauwerk an sich überaus sehenswert, wie auch der Blick von seinem Dach; das ganze Ruhrgebiet liegt einem zu Füßen.

„Durch Koksofen und Meistergang“ –
Weltkulturerbe Kokerei Zollverein in Essen

30. Oktober 2012

Der Weg von der Essener Schurenbachhalde zur Kokerei Zollverein an „Arendahls Wiese“ wäre dank der im Ruhrgebiet vorbildlichen Ausschilderung der Route der Industriekultur wohl auch ohne Navi leicht zu finden gewesen. Im Verbund mit der Zeche Zollverein, die wir vor zwei Jahren schon besucht hatten, bildete die Kokerei wohl eine der größten Konglomerationen des Steinkohlenbergbaus in Europa. Auf rund einhundert Hektar erstrecken sich die Anlagen der 1986 stillgelegten Zeche und der Kokerei, die im Jahr 1993 dicht machte. 2001 erfolgte die Aufnahme in die Welterbeliste der UNESCO; „Erhalt durch Umnutzung“ lautet das Konzept der Stiftung, die das gigantische Areal verwaltet und ständig weiter entwickelt. Dass dabei konservatorische Standards und museale Bedeutung nicht zu kurz kommen, dafür bürgt der Welterbestatus; so verlangt die UNESCO den Rückbau des „Sonnenrades“. Das nabenlose Riesenrad ist ein Publikumsmagnet und bietet fantastische Einblicke ins Innere der Koksöfen, aber „passen“ tut’s natürlich kein Bisschen.

Das Außengelände kann – wie bei der nahen Zeche – bei freiem Eintritt auf eigene Faust erkundet werden. Aber da ich die Kokerei auch von innen erleben wollte, löste ich ein Ticket für die Führung. Eine halbe Stunde blieb zum Rumstromern; dann ging’s los. Und zwar – natürlich – mit einem kleinen Technik-Exkurs, den ich als Bergmannssohn und regelmäßigem Besucher der Völklinger Hütte mit Berlin-Hintergrund mit routiniert-gelangweilter „Weeß’ ick, kenn’ ick, war ick’ schon-Attitüde“ über mich ergehen lassen wollte.

Dass für zwei aus Bayern angereiste Teilnehmer so grundlegende Begriffe wie „Zeche“, „Schacht“ und „Stollen“ geklärt werden mussten, war zwar einerseits überaus erstaunlich, weil sie gerade von einer Führung über die Zeche Zollverein kamen, und zweitens tatsächlich langweilig, aber – wer hätte das gedacht: Auch ich erfuhr durchaus noch Neues bei dieser Führung. Die ehemals größte Zentralkokerei Europas ist nicht nur von den Dimensionen und ihrer Inszenierung als Welterbestätte her etwas ander(e)s als die der Völklinger Hütte. Das merkt man schnell während der gut zweistündigen Führung, die ziemlich konsequent dem Weg der Kohle folgt, von deren Anlieferung über ihre Verkokung, bis zum Rauchgas, das die Schornsteine früher rauchen ließ.

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Nachdem wir uns in luftige Höhen geschwungen und beeindruckende Aus- und Weitblicke genossen hatten, ging es in die Innereien des gewaltigen Koloss’. In der Mischanlage durften wir einige Blicke auf die Video-Installation „Current“ werfen, in der die israelische Künstlerin Michal Rovner noch bis zum 30. September Filmsequenzen von Menschen auf die nackten Betonwände projiziert, die sich gehend, laufend, rennend, in „sozialen Choreografien“ zu Skulpturen und Texten gruppieren. Allzu eingehend betrachten durften wir das allerdings leider nicht, da der Besuch der Ausstellung im Preis der Führung nicht enthalten ist. Fotografieren durfte man natürlich auch nicht.

Nach einem entspannten Spaziergang auf dem „Dach“ der Koksbatterien ging es in deren Innerstes: Wo früher bei 1000 Grad Celsius aus Kohle Koks „gebacken“ wurde, hat man – ähnlich der Völklinger Möllerhalle – Schnitte eingefügt, so dass auch dieser absolute „Nichtort“ für die Allgemeinheit zugänglich geworden ist – überaus beeindruckend!

Noch einen drauf setzte dann der Gang durch die unterirdischen Röhrengänge, durch die früher das bei der Verkokung entstehende Rauchgas in die Schlote geleitet wurde. Sogar ein Blick in einen dieser gigantischen Schornsteine war uns vergönnt. Die knapp hundert Meter sind aus der Perspektive vom Fuß des Schlots nicht zu ahnen. Man blieb bei unter hundert Metern, auch wenn eine größere Höhe aus Umweltschutzgründen wünschenswert gewesen wäre; so sparte man kostspielige Maßnahmen zur Flugsicherung. Ja, in der Industrie wusste man schon immer Prioritäten zu setzen.

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Fazit: In Essen gibt es eine Kokerei der Superlative zu besichtigen. Und die wird auch künftig, ganz ohne Kirmes-Riesenrad, ein höchst attraktives museales Erlebnis bieten. Unsere Führerin wusste Bescheid und verstand es – als Bochumerin, wie sie sagte –, mit schnodderigem Ruhrpottwitz ihr Wissen auch allgemeinverständlich an uns Teilnehmer weiter zu geben. Gewiss, zum Fotografiern hätte ich mir mehr Zeit gewünscht, aber die Stiftung Zollverein bietet zu diesem Zweck gesonderte Führungen an. Interessant fand ich auch, dass wir teilweise an kaum mehr als kniehohen Geländern entlang gingen. Aber diese Führungen sind für Erwachsene, und denen traut man offenbar hier in Essen durchaus zu, ein bisschen Hirn zwischen den Ohren zu balancieren. Bei uns im Saarland darf man nicht mehr aufs Göttelborner Fördergerüst, weil neben dem Aufzug nur eine Treppe vorhanden ist; das war den politisch Verantwortlichen dann irgendwann doch etwas zu wenig für den Fall eines Notfalls…

Und, natürlich, das „Werksschwimmbad“ ist keine Freizeiteinrichtung aus früheren Tagen für die Kokereibeschäftigten. Obwohl die eine solche Möglichkeit zur Abkühlung ganz bestimmt zu schätzen gewusst hätten. Beim Werksschwimmbad handelt es sich um eine Installation der beiden Frankfurter Dirk Paschke und Daniel Milhonic aus dem Jahr 2001. Aus zwei Industriecontainern wurde ein 140 Kubikmeter Wasser fassendes Bassin zusammengeschweißt, und die Besucher der Kokerei aufgefordert, kostenlos davon Gebrauch zu machen und zwischen den Türmen dieser Industriekultur-Kathedrale ein Bad zu nehmen.

P. S.: Täusche ich mich, oder war nicht auch mal im Völklinger Weltkulturerbe von einem „Hüttenbad“ die Rede? Auf jeden Fall habe ich lange nichts mehr davon gehört…

Eine Bramme für das Ruhrgebiet –
Auf der Schurenbachhalde in Essen-Altenessen

29. Oktober 2012

Zwischen Rhein-Herne-Kanal und A 42 wölbt sich auf über 50 Hektar Grundfläche die Essener Schurenbachhalde, direkt an der Stadtgrenze zu Gelsenkirchen. Den Bach, dessen Namen sie trägt, hat sie unter sich begraben, wie auch einen Sportplatz und Teile einer alten Siedlung. Über die Grenzen des Ruhrgebiets hinaus bekannt ist die Halde wegen Richard Serras 1998 auf dem kahlen Gipfelplateau installierter imposanter Stahlplastik „Bramme für das Ruhrgebiet“, die, vierzehn Zentimeter dick und um kaum merkliche drei Grad geneigt, fast fünfzehn Meter hoch aufragt.

Neben der Bramme und dem mondartig kahlen Plateau beeindruckt die Schurenbachhalde besonders mit ihrem grandiosen Panorama-Ausblick über das Ruhrgebiet.

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Es sind das mondähnliche Gipfelplateau, die Großplastik von Richard Serra und der umwerfende Fernblick über fast das gesamte Ruhrgebiet, die die Schurenbachhalde zu einem absoluten Tipp machen. Verkehrgünstig gelegen, lässt sie sich prima einbinden in eine schöne Radtour; und in unmittelbarer Umgebung wimmelt es nur so von hochkarätigen Destinationen für Industriekultur-Interessierte.