Die Höhe: Der Name des Völklinger
Stadtteils Hermann-Röchling-Höhe

Es ist ein Unding: Nach dem 1955 ebenso rechtskräftig wie zu Recht als Kriegsverbrecher wegen „Verbrechen gegen die Menschlichkeit“ verurteilten Völklinger Industriellen Hermann Röchling wurde 1956 (!) gleich ein ganzer Stadtteil benannt und heißt bis heute so: Hermann-Röchling-Höhe. Das darf als einzigartig angesehen werden.

Hermann Röchling war nicht nur bekennender Antisemit und Nationalsozialist der ersten Stunde, sondern auch ein persönlicher Freund Adolf Hitlers und schenkte dem Deutschen Museum in München im Jahr 1935 schon eine Bronzebüste des „Führers“. Hermann Röchling drängte seinen Freund Adolf aus eigenen wirtschaftlichen Interessen zum Krieg gegen Russland und Frankreich. Jenseits der deutsch-französischen Grenze lagerten riesige Erzvorkommen, die er sich damit – billig – für die Eisen- und Stahlproduktion im eigenen Völklinger Werk sichern konnte. Und für den Krieg gegen Russland benötigte das Deutsche Reich immens viele Waffen, die Hermann Röchling – sicher nicht ganz so billig – liefern konnte. Doch an den Kriegsfronten wurden auch sehr viele Soldaten gebraucht. Als deswegen Arbeitskräfte nicht nur für die Röchlingschen Hüttenwerke knapp wurden, wußte Hermann Röchling natürlich auch gleich wieder Rat: Er regte die Zwangsverschleppung zigtausender Menschen an, darunter Frauen und Kinder, überwiegend aus Osteuropa, die in den deutschen Industriezentren als Zwangsarbeiter wie Sklaven gehalten, schlecht ernährt, medizinisch nicht versorgt und nicht wenige von ihnen bis zum Tod gequält wurden. Die Transporte der Zwangsarbeiter an Rhein, Ruhr und Saar wurden – ihrem Erfinder zu Ehren – offiziell „Röchlingtransporte“ genannt. Hitler ernannte Röchling zum „Wehrwirtschaftsführer“.

Im Köllerbacher Ortsteil Etzenhofen richtete Hermann Röchling ein Straflager ein für arbeitsunwillige oder sonstwie unbotmäßig oder aufmüpfig erscheinende Zwangsarbeiter der Völklinger Hütte, wo Misshandlungen, Schläge, Vergewaltigungen und Exekutionen wegen Lappalien an der Tagesordnung waren. Das widerwärtige Treiben war so grausam, dass sich Anwohner offen empörten. Über die absolut menschenverachtenden Zustände gibt u. a. das Püttlinger Stadtarchiv beredt Auskunft.

Für seine Taten kam Hermann Röchling mit 10 Jahren Haft eher glimpflich davon. Irrwitzig: Über hundert ehemalige Hüttenarbeiter boten sich an, die Strafe an seiner Stelle reihum abwechselnd abzusitzen. Hermann Röchling verbüßte aber ohnedies nur die Hälfte seiner Strafe; zu viele hatten sich für ihn eingesetzt. Ihm wurde lediglich zur Auflage gemacht, das Saarland nicht mehr zu betreten; die Hütte aber kam wieder in Familienbesitz, und die Stadt Völklingen benannte gleich einen ganzen Stadtteil nach Hermann Röchling.

Über 50 Jahre nach der den verurteilten Kriegsverbrecher ehrenden Umbenennung des ehemaligen Völklinger Stadtteils Bouser Höhe in Hermann-Röchling-Höhe nehmen eine Handvoll Bürger eben dieses Stadtteils Anstoß am Namen ihrer Heimat und ernten dafür kaum mehr als Unverständnis, Desinteresse und Ablehnung bis hin zu offener Anfeindung. Die Stadt Völklingen, namentlich Stadtrat und Oberbürgermeister, halten nichts davon, die Presse bleibt distanziert und abwägend, ergeht sich im Abdrucken so verständnisloser wie unverständlicher Leserbriefe, Nachbarn auf der Hermann-Röchling-Höhe reagieren verärgert bis drohend.

„Die NPD-Fraktion in Völklingen hingegen hat hier eine klare Meinung. Wir werden uns dafür einsetzen, dass die Hermann-Röchling-Höhe auch künftig noch den Namen des Mannes tragen wird, dem sie ihre Existenz zu verdanken hat.

(Frank Franz, NPD-Landesvorsitzender)

hermann-roechling-hoehe

Wo leben wir denn? Mit wem machen die sich gemein, die gebetsmühlenartig die vermeintlichen „Wohltaten“ hochhalten, mit denen Hermann Röchling seine Arbeiter und Angestellten ganz im Sinne der „Wohlfahrtsfessel” (Christoph Kleesmann) mundtot und – bis heute? – gefügig gemacht hat. „Er hat die Patenschaft vieler Kinder übernommen.“, hört man – und: „Er hat die Kinder beschenkt.“ Ja, wenn das so ist, seid aber bitteschön konsequent und benennt die Stadionstraße um in „Adolf-Hitler-Allee“. Immerhin hat der nicht nur 50 oder 60 Millionen Menschenleben auf dem Gewissen. Nein, der hat auch die Autobahnen gebaut, die Arbeitslosigkeit abgeschafft, und der hatte sogar einen Hund, war also tierlieb, Vegetarier sowieso… Nochmal: Wo leben wir denn?

Also, geben Sie sich einen Ruck und unterzeichnen Sie die Petition zur Rückbenennung der schändlichen „Hermann-Röchling-Höhe“ in „Bouser Höhe“ und helfen Sie mit, einen Stadtteil, bzw. die ganze Stadt Völklingen wieder ehrbar zu machen. Man muss sich ja schämen, dass man in Völklingen wohnt.

[ zur Petition der Bürgerinitiative für Namensänderung ]

[ zur Abschrift eines ARD-Berichts zum Thema ]

[ noch mehr interessantes zum Thema auf www.sarrelibre.de ]

P. S.: Dem Vernehmen nach ist auch das Beharren einiger Mitglieder des Vereins „Initiative Völklinger Hütte e. V.“ am vermeintlich so sozial agierenden Säulenheiligen Herman Röchling einer der Ausschlag gebenden Gründe dafür, dass das Weltkulturerbe Völklinger Hütte die Aufarbeitung der Sozialgeschichte der Hütte nur mit so spitzen Fingern anfasst, dass die 30er und 40er Jahre noch heute nur als große Lücke glänzen. Nochmal: Wo leben wir denn? Ich krieg’ jetzt Ausschlag, wenn nicht gar Übleres. Gekotzt hab’ ich schon; frag’ nicht, wie oft.

Eine Reaktion zu “Die Höhe: Der Name des Völklinger
Stadtteils Hermann-Röchling-Höhe”

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