Unterwegs in Neunkirchen-Heinitz mit Delf Slotta
Terra incognita der saarländischen Bergbaugeschichte

Trotz frühem Sonntagmorgen und Mitte November fanden sich vierzehn Unverzagte in Neunkirchen-Heinitz ein, um sich von Delf Slotta die wenigen dort erhaltenen Bergbaurelikte zeigen und erklären zu lassen. Heinitz ist, ich wusste es auch nicht, nicht nur wahrscheinlich einer der ersten Orte weltweit, an denen Menschen Kohlen förderten – schon im 7. oder 6. Jhdt. v. Chr. wurde hier Kännelkohle gefördert zur Herstellung von Schmuck, wie Grabbeigaben aus dieser Zeit belegen. Nein, Heinitz war auch einer der größten Grubenstandorte im Saarland. Und wenn davon auch nur noch sehr wenig zu sehen ist, verstand es Delf hervorragend, uns anhand dessen eine sehr eindrückliche Vorstellung von dem zu vermitteln, was hier früher einmal los war.

Treffpunkt war der Heinitz-Stollen, dessen beeindruckende Mundlocharchitektur zwar nicht mehr am Original-Standort steht, aber immerhin seit 1982 restauriert ist, und deren Erhaltung wohl als sicher gelten darf. Direkt auf der anderen Seite der Moselschachtstraße und für Uneingeweihte nicht zu erkennen: der Bergfestplatz, wo in den Hochzeiten des Saarbergbaus alle zwei Jahre ein Fest von heute unvorstellbaren Ausmaßen gefeiert wurde – als Bestandteil der die Bergleute und ihre Familien an den Arbeitgeber bindenden und sozialreformerische, sozialdemokratische und gewerkschaftliche Aktivitäten unterbindenen „Sozialfessel“.

heinitz-nov-2011

Highlight der heutigen Exkursion war natürlich die ehemalige Kokereigasmaschinenzentrale in Heinitz, die erhaltene Halle eines früheren Kraftwerks, mit ihrer Jugendstil-Architektur, wie sie in Deutschland nur in Dortmund-Bövinghausen auf der Zeche Zollern eine Entsprechung findet, ein Denkmal von nationalem, wenn nicht gar internationalem Rang, das leider vor sich hin verrottet. Eine Sanierung würde geschätzte 5 – 7 Millionen Euro verschlingen; ohne eine Idee, wer sie danach wofür nutzen könnte, gewiss niemals zu stemmen. Und eine diese Kosten wieder „einspielende“ Nutzung – in dieser Lage und Umgebung – und der dazu passende Investor sind realistisch nicht so schnell zu erwarten. Immerhin: Die Stadt Neunkirchen nutzt die Halle mittlerweile zur Einlagerung von Streumitteln für ihren Winterstraßendienst. Das ist kein bisschen „sexy“ und sicher auch nicht wirklich „würdig“ oder auch nur einigermaßen passend, aber es bewahrt das herausragende Denkmal erst einmal vor dem Abriss.

Heinitz ist ein Ort, dem – wie dem gesamten Thema „Bergbauliches Erbe im Saarland“ – wesentlich mehr Aufmerksamkeit und Beachtung zu wünschen ist. Vielleicht wird’s ja 2012 ein bisschen mehr, wenn hier an der Saar der Bergbau auf Steinkohlen endgültig endet. Glück Auf!

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