In der „Knubbe-Stubb“:
Vortrag und Ehrung von Delf Slotta
in Camphausen

Jens Falk vom Institut für Landeskunde im Saarland hatte per E-Mail eingeladen zur „Großen Vortragsveranstaltung“ im Vereinsheim des Bergmannsvereins Fischbach-Camphausen 2000 e. V., der „Knubbe-Stubb“, mit Delf Slotta. Weiter hieß es: „ Die Veranstalter hoffen auf große Resonanz, zumal sich die Mitglieder des Bergmannsvereins Fischbach-Camphausen rund um ihren Vorsitzenden Klaus Busch noch einige besondere Programmpunkte für diesen Tag haben einfallen lassen, darunter auch eine nicht alltägliche Ehrung. Seien Sie also dabei, wenn ein starkes Stück saarländischer Bergbaugeschichte und Industriekultur präsentiert werden.”

„Hm“, dachte ich. Die häufig sozialromantisch verklärte bergmännische Traditionspflege ist ja an sich nicht so mein Ding, aber da auch Delf mir sagte „Das wird gudd.“, ging ich dann doch hin und muss sagen: Nicht wenig beeindruckt ging ich wieder raus aus der Knubbe-Stubb. Das Vereinslokal ist liebevoll mit Versatzstücken aus dem bergmännischen Arbeitsalltag dekoriert, die Preise für Speisen und Getränke sind mehr als das sprichwörtliche „zivil“; fast erinnern sie an das Niveau früherer Kaffeeküchen, alles ist – und alle sind – freundlich und unkompliziert. Und: Die Knubbe-Stubb war voll bis auf den letzten Platz, der ganze „Laden“ bebte förmlich vor Erwartung. Und Delfs Vortrag enttäuscht niemanden: In der Sache kompetent, im Ton verbindlich und ganz ohne Romantik arbeitet er den Werdegang der Grube von ihren Anfängen bis zu ihrer Schließung auf, verwies nachdrücklich auf wenig bekannte Aspekte bergbaulichen Lebens, die sich heute noch in der Gegend ablesen lassen und versäumte es auch nicht, den Zeigefinger zu erheben und an die Verantwortung zu erinnern, die gerade ehemals aktive Bergleute und Bergmannsvereine haben, sich nicht in romantischer Retrospektive zu erschöpfen, sondern einen aktiven Beitrag zu leisten, nachfolgenden Generationen ein realistisches und zutreffendes Bild der bergbaulichen Vergangenheit weiter zu vermitteln. Dafür erntet er fast frenetischen Beifall, begeisterte Pfiffe und „Bravo“-Rufe!

knubbe-stubb_nov-2011

Delf wurde dann noch nach peinlich genauer Sachkundeprüfung – ein weiteres Mal – zum Ehrenhauer ernannt; und auch, wenn ich kurz nach dem obligatorischen Steigerlied schon ging, bin ich sicher, damit war der Abend in der „Knubbe-Stubb“ noch lange nicht zu Ende. Mein Eindruck vom Wirken des Camphausener Bergmannsvereins war ein sehr wohltuender, sehr positiver und nicht zum vorgefertigten Klischee solcher Vereine passender: Hier ist man sich der Dialektik des Themas Bergbau bewusst, zumindest ist man offen für die dialektische Betrachtung des Themas. Der Vereinsvorsitzende, Klaus Busch, bot der anwesenden Quierschieder Bürgermeisterin Karin Lavall, jede denkbare Unterstützung an im politischen Ringen um den Erhalt des Camphausener Förderturms, immerhin der erste seiner Art weltweit. Ich kann wirklich nur sagen: „Hut ab!“ und „Glück Auf!“

P. S.: Für die wenigen, die es vielleicht nicht wissen: Knubbe, Gnubbe oder Knubben nannten früher Bergleute ihre Überstunden – und sei es, dass sie am Kneipentresen abgeleistet werden mussten…

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