„Das Saarland nimmt Abschied
vom Steinkohlenbergbau –
eine Rundreise zu Zeugnissen
der ehemaligen saarländischen Schlüsselindustrie“

In Zusammenarbeit mit dem Institut für Landeskunde im Saarland hatte die Evangelische Akademie im Saarland zu einer Bustour eingeladen und dank der momentanen Präsenz des Themas Bergbau in den saarländischen Medien rund 200 Anmeldungen erhalten. Sonst hat man Mühe, einen 40-sitzigen Reisebus zu füllen. So waren viele unbekannte Gesichter an Bord des ungewohnten 50-Sitzers, und nächsten Sonntag wird die Tour auch ein zweites Mal gefahren.

Es ist erfreulich, dass das Thema so viele Interesse findet. Und auch, dass bei seiner Betrachtung die Schattenseiten von 250 Jahren Bergbau im Saarland nicht unter den Tisch fallen. Wir dürfen das Thema nicht allein den Technikfreaks, Bergbauromantikern und -nostalgikern überlassen. Sicher, die Pflege der bergmännischen Tradition ist wichtig, aber eine unvoreingenommene Betrachtung des Bergbaus in seiner Dialektik nicht minder notwendig: Der Bergbau brachte dem Land und seinen Bewohnern viel Segen, aber auch viel Schatten, und nur, wenn wir beides im Blick behalten, werden wir in der Lage sein, ein zutreffendes Bild der Geschichte zu „zeichnen“. Und dazu ist jetzt die Zeit, wo der aktive Bergbau auf Steinkohlen im Saarland nach über 250 Jahren endet.

Unsere Tour de Bergbau Saar startete in Velsen, wo nach teils heftigen Auseinandersetzungen momentan der Fortbestand des Erlebnisbergwerks gesichert scheint. Ab April will der Verein Erlebnisbergwerk Velsen als Pächter des ehemaligen Lehrstollens Führungen für Gruppen anbieten, jeweils donnerstags und freitags um neun und um zwölf Uhr sowie an jedem ersten Sonntag im Monat um zehn und um zwölf Uhr. Die Führungen übernimmt die Vereinigung der Berg- und Hüttenleute Dorf im Warndt. Wir sind gespannt.

Sehr interessant waren die kurzen Abstecher in Ludweiler und Geislautern; das scheinbar Banale kann so viel offenbaren…

Am Schwalbacher Neyschacht wartete die erste dicke Überraschung auf uns: Herr Haupenthal von der RAG öffnete uns die Maschinenhalle, ein Erlebnis von absolutem Seltenheitswert. Und auch in Ensdorf zeigte er uns die beiden Fördermaschinenhäuser von innen, und sogar die fast hundertjährige Dampfmaschine wurde eigens für uns angeworfen, und ihr Maschinist stand uns Rede und Antwort.

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Vom Mittagessen etwas matt, konnten wir uns fast eine halbe Stunde im Bus erholen, bis wir in Von-der-Heydt ankamen, wo Delf uns einige Besonderheiten des saarländischen Bergwesens anschaulich erklärte. Wir besuchten auch den „Zukunftsort Göttelborn“, wo die IKS offenbar begonnen hat, die eigene Zukunft leichtfertig zu verspielen: Auf der geplanten, offenen „Plaza“ inmitten des ehemaligen Holzplatzes ist ohne Not ein erster unschöner Zweckbau platziert worden. Warum weiß keiner, jedenfalls: Das ursprünglich schlüssige Konzept ist schon dahin. Aber Göttelborn bleibt einen Besuch wert, das gesamte ehemalige Grubengelände ist frei zugänglich, wie auch die Halde und der nahe Kohlbachweiher. Die 200 Meter sanfter Anstieg zum Umkehrpunkt am „Himmelspfeil“ lohnen wegen der grandiosen Aussicht auch für diejenigen, die nicht mehr so gut zu Fuß sind. Sehr zu bedauern ist, dass seit der Duisburger Love-Parade-Katastrophe keine Fahrten auf die 74 Meter hohe Seilbühne des Göttelborner Fördergerüsts, immer noch das modernste der Welt, mehr angeboten werden dürfen, weil – O-Ton – kein zweiter Fluchtweg existiert.

Vorbei an den Pingenfeldern nahe Itzenplitz ging es in den Heiligenwalder Ortsteil selbst, und nach einem Abstecher in Reden, wo wir nicht den Bus verließen, zeigte Delf uns noch in einer unscheinbaren Sulzbach-Altenwalder Seitenstraße die verheerenden Auswirkungen von Bergschäden auf die Bevölkerung. Durch den kleinteiligen Stollenausbau unter Tage „fallen“ die Häuser in verschiedene Richtungen, was nicht nur den Gleichgewichtssinn der Bewohner nachhaltig irritiert. Da die Häuser nicht einsturzgefährdet sind, gibt es auch keine Entschädigung für die Eigentümer. Wer nicht reich ist, bleibt hier wohnen; verkäuflich dürften diese Häuser nicht sein.

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Die Tour vermittelte mehr Eindrücke, als sich hier schildern lässt. Tatsächlich war weniges dabei, was ich nicht schon kannte, aber die komprimierte Form dieser Tour de force setzt mein Puzzle vom Bergbau an der Saar aus den letzten Jahren neu zusammen. Die Veranstaltungen der Evangelischen Akademie im Saarland, des Instituts für Landeskunde wie auch die Führungen und Seminare von Delf Slotta zum Thema sind unbedingt zu empfehlen, und beileibe nicht nur den „Fans“ des Bergbaus.

Glückauf!

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