Hermann-Röchling-Höhe – eine Polemik

Im Streit um den Namen des Völklinger Stadtteils Hermann-Röchling-Höhe hat sich im Stadtteil aktuell eine Bürgerinitiative für den Erhalt des seit 1956 geltenden Namens gegründet. In ihren Wortmeldungen befleißigen sich Sprecher der BI ungeniert des Vokabulars des Völklinger NPD-Fuzzis Frank Franz und bezeichnen Befürorter einer Umbenennung locker als „Gutmenschen“, „Geschichtsfreaks“ und „intolerante Fanatiker“. Laut Saarbrücker Zeitung agiert dort u. a. ein Immobilienmakler, der argumentiert, die Immobilienpreise würden fallen, wenn der Stadtteil umbenannt würde; er selbst sei nie da hingezogen, wenn’s dort noch „Bouser Höhe“ heißen würde. Ich staunte nicht schlecht und frage mich, ob nicht vielleicht auch der Name eines rechtskräftig verurteilten Nazi-Kriegsverbrechers den ein oder anderen davon abhalten könnte, dort wohnen oder eine Firma ansiedeln zu wollen. Am Rande erwähnt sei hier, dass in den vergangenen Wochen und Monaten zwischen fünf und zehn Prozent der Besucher dieser Website lt. Webstatistik über Einwahlknoten in Tel Aviv hierher finden. Anderorts scheint man dem Thema nicht ganz so phlegmatisch gegenüber zu stehen wie manch eine/r hierzulande.

Außerdem hat sich der kommende saarländische Kulturzar zu Wort gemeldet: Ungefragt und so weit ich weiß, ohne Auftrag, gab Professor Dr. Meinrad Maria Grewenig in einer von ihm selbst so genannten „gutachterlichen Stellungnahme“ seine Meinung zum Thema zum Besten. Ich muss zugeben, dass darin die ersten Argumente zu lesen sind für die Beibehaltung des Nazi-Namens, die mich zumindest für Momente ins Grübeln statt zum Kopfschütteln brachten. Kern des „Gutachtens“ ist die These, dass es sich beim Namen „Hermann-Röchling-Höhe“ um ein „immaterielles Denkmal“ handele und man – sicher richtig – die Vergangenheit nicht bewältigen oder wenigstens verarbeiten könne, indem man ihre Spuren auslöscht. So weit, so gut. Um dem gerecht zu werden, solle man allerdings auf der Hermann-Röchling-Höhe auch Hermann Röchlings Nazi-Vergangenheit angemessen dokumentieren, schlägt Grewenig vor. Ich bin sicher, an dieser Stelle tobt Herrn Grewenig kein Applaus von seinen Mitbefürwortern der Namensbeibehaltung entgegen. Das fehlte noch, dass einer deren Denkmal (sie bewerten das alles vermutlich mehrheitlich etwas anders) für den vermeintlichen Wohltäter Völklingens in dieser Weise in den Schmutz zieht. Nein, Herr Grewenig, damit schaffen Sie sich dort gewiß keine Freunde!

Außerdem behauptet Herr Grewenig, das von ihm geleitete Unesco-Weltkulturerbe Völklinger Hütte nähme Schaden im Fall einer Umbenennung. Wieso, bleibt unklar. Wird deswegen die Sozialgeschichte der Hütte inkl. der Geschichte der dort oftmals in Krankheit, Invalidität und auch zu Tode geschufteten Zwangsarbeiter immer noch nicht adäquat aufarbeitet? Ich gebe zu, ich gelange an Grenzen meiner Verständnisfähigkeit.

Grewenig sagt auch, der Name „Hermann-Röchling-Höhe“ stünde in der Tradition der Flurnamen. Hm? Die Benennung erfolgte 1956, also elf Jahre nach Kriegsende und ein Jahr nach der Freilassung Hermann Röchlings aus wohlverdienter Haft – übrigens damals gegen heftigen Widerstand nicht weniger Bewohner des Stadtteils. Also: Statt dem traditionellen Flurnamen, der ja wohl unstrittig über sehr, sehr lange Zeit „Bouser Höhe“ lautete, ist der aktuelle Name des Stadtteils eher einem entnazifizierungsrenitenten Stadtrat geschuldet, der damit wissentlich den Namen eines verurteilten Nazi-Kriegsverbrechers ehren wollte! – Flurnamentradition?

Morgen tagt in öffentlicher Sitzung der Völklinger Stadtrat und wird nach meiner Einschätzung beschließen, nichts zu tun und alles beim (seit 1956) Alten zu belassen. Das ist schade, weil „Altnazi-Höhe“ wäre doch ein sehr treffender Name, wie mir mittlerweile scheint. Hängt dazu noch ein paar Hakenkreuzfahnen aus den Fenstern, und fertig ist das immaterielle Denkmal!

P. S.: Dies ist selbstredend keine gutachterliche Stellungnahme, sondern lediglich eine völlig unmaßgebliche, private Meinungsäußerung und – bitte beachten – nicht ganz frei von Polemik!

Eine Reaktion zu “Hermann-Röchling-Höhe – eine Polemik”

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