Baustellenführung durch den
„Vierten Pavillon“ in Saarbrücken

Über den Vierten Pavillon ist alles gesagt, wenn auch noch nicht von jedem; und wer nicht weiß, wovon hier die Rede ist, sollte ganz schnell woandershin klicken, sonst wird’s langweilig. Auch ich habe nichts Neues dazu zu sagen, außer vielleicht, dass mich manche Kritik am Pavillon fast ein bisschen kulturfeindlich oder zumindest -skeptisch anmutet, nach dem Motto „Wenn wir schon knapp bei Kasse sind, wieso geben wir dann Geld für Kunst aus?“ oder „wenn schon ein Haus für die Kunst, warum dann nicht schön, hübsch und gefällig?“ – Hm. Der Architekturgeschmack unserer Mitmenschen scheint irgendwann vor 120 Jahren stehen geblieben zu sein: Berlin kriegt „sein“ Stadtschloss, aber Sichtbeton als sichtbare Hülle für die immensen Kunstschätze eines Bundeslandes geht gar nicht.

Wie gesagt: Über den Vierten Pavillon ist alles gesagt, wenn auch noch nicht von jedem, und ich bin jetzt auch lieber still. Zur Zeit finden – immer mittwochs um 17 Uhr – öffentliche Führungen durch den Rohbau des Vierten Pavillons statt. „Öffentlich“ ist hierbei relativ, weil… ich fand nirgends, wirklich nirgends näheres dazu. Außer einem kleinen Artikel in der Saarbrücker Zeitung und einem Kurzbeitrag im „Aktuellen Bericht“ des Saarländischen Rundfunks über die erste Führung mit Ulrich Commerçon fand ich nichts, keine Termine, keine noch so kleine Notiz, nichts

Den Vierten Pavillon fand ich hingegen auf Anhieb. Von einer Führung keine Spur. Nicht ganz dumm, wie ich mir zu sein einbilde, stiefelte ich zur Modernen Galerie, und tatsächlich, siehe da, ein Zettel, wo drauf steht, dass man sich zu den Baustellenführungen im Foyer der Modernen Galerie trifft. Allez hopp, ein Mal rum um den Bau, man kennt sich ja aus, auch in Baustellenzeiten, und schon wurde ich gefragt, ob ich mich zur Führung angemeldet hätte. Nein, natürlich nicht. Wo denn? Bei wem? Nirgends ist etwas über diese Führungen herauszufinden; wo soll ich mich da anmelden? Es ging trotzdem. Nur eine „Haftungsausschlusserklärung“ war auszufüllen, dann noch mal rund um’s Haus und dann, Helm auf und rein ins obskure Objekt der Polemik:

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Um es kurz zu machen: Die Sache hat – wie die meisten Sachen – zwei Seiten: Die eine davon ist, wie so oft, die Finanzielle. Da sind ganz sicher Dinge schief gelaufen, ganz und gar aus dem Ruder sogar; und es wird interessant sein, herauszufinden, wer da was, wie und mit wem versaubeutelt hat. Ich hoffe, wir werden es dereinst erfahren, und die Verantwortlichen werden zur Rechenschaft gezogen.

Die andere Seite ist: Dass wir hier, bei uns zuhause, im Saarland, in unserer süßen, kleinen Landeshauptstadt, endlich, endlich, einen Museumsneubau errichten, um endlich, endlich, die grob geschätzten 80 Prozent unseres mit teuer’ Geld angesammelten Kunstbesitzes öffentlich zugänglich zu machen, die bisher im Depot, wenn schon nicht verrotten, so doch für uns alle, für Sie und für mich, unsichtbar bleiben, endlich, endlich sichtbar machen und dazu noch Platz schaffen für Wechselausstellunen mit großformatiger, „neuer“ zeitgenössischer Kunst, das sollte uns freuen, verdammt noch mal!

Schauen Sie sich’s an, raffen Sie sich auf: mittwochs um 17 Uhr im Foyer der Modernen Galerie. Anmeldung erbeten, aber ich weiß nicht wo. Gehen Sie hin. Und: Überdenken Sie Ihren Architekturgeschmack: Autos und Möbel wollen Sie ja auch nicht mehr wie vor hundert Jahren…

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