Auf Erkundung unterwegs
im lothringischen Minette-Revier

Ursprünglich wollte Delf Slotta sich die vierzehn oder fünfzehn im Ruhrgebiet erhaltenen Malakofftürme ansehen und hatte mich gefragt, ob ich mitkommen wolle. Klar, keine Frage, und gleich fielen mir dutzendweise Orte ein, die ich dort gerne (noch) einmal sehen und fotografieren wollte. Ruckzuck waren wir bei Überlegungen, aus einem Tag zwei oder drei werden zu lassen, bis wir dann doch der Stimme der Vernunft folgten und uns stattdessen für einen Tag ins ostlothringische Minette-Revier aufmachten, wo Delf als Vorbereitung für Bustouren mit der Evangelischen Akademie und dem Verein Geographie ohne Grenzen einige „neue“, zusätzliche Stationen erkunden wollte.

Um halb sieben in der Früh ging’s los, und dank des Autobahnausbaus in Luxemburg waren wir eine gute Stunde später auch schon in Esch-sur-Alzette, wo wir nach kurzen Seitenblicken auf Centrale Thermique, Terre Rouge und Esch-Belval über die Grenze nach Frankreich fuhren. Kurz darauf hatten wir nach etwas Suchen in Audun-le-Tiche die erste Station gefunden.

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Wie nicht anders zu erwarten, ähnelte unser Ausflug teilweise einer Schnitzeljagd. Delf hatte die Tour natürlich bestens vorbereitet, aber vieles existiert einfach nicht mehr. In Frankreich geht man mit industriellen Relikten nicht gerade zimperlich um. Und Schilder, deren Fehlen ich im Saarland immer wieder gerne moniere, sind hier noch viel seltener zu finden. „Hier, die Mauer, dort der Zaun, dahinter könnte etwas sein…“ – mit Spürsinn, und teils nur mit viel Glück, fanden wir doch auch das ein oder andere Unerwartete, wie z. B. die beeindruckenden „Reste“ der Eisenerzgrube Pauline, aber so vieles ist einfach verschwunden in dieser Region, die uns so nah und doch so fern ist.

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Hayange wirkt wie eine Stadt im Untergang. Die Vorstellung, hier zu leben, kann deprimieren. Aber wahrscheinlich galt das vor fünfundzwanzig Jahren auch für Völklingen, wo ich mich heute eigentlich recht wohl fühle.

Als besonderes Highlight für den Nachmittag hatte Delf die „Cité Radieuse“ ausgewählt, eine von fünf „Unités Habitations“. Ich hatte keine Ahnung davon, das einer dieser epochalen „Wohnmaschinen“ Le Corbusieurs’ quasi direkt vor unserer Haustür existiert.

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Gute zwölf Stunden, nachdem wir aufgebrochen waren, waren wir wieder zuhause. Wir hatten mehr gesehen an diesem einen heißen Sommertag, als ich mir merken konnte. Manch Ortsname ist mir entfallen, und die eine oder andere unserer Destinationen würde ich wohl auch nicht auf Anhieb wieder finden. Delf kann das, und ich kann jedem Interessierten nur zuraten, an einer der Touren der Evangelischen Akademie oder des Vereins Geographie ohne Grenzen teilzunehmen: Sie lernen aufregende Orte und Stätten kennen, kaum eine Stunde von Zuhause entfernt, und doch so fern, so fremd, dabei nicht unähnlich dem, was auch hier bei uns im Saarland lange allgegenwärtige Realität war. Informationen zu Delf Slottas Exkursionen, Vorträgen und anderen Veranstaltungen finden Sie hier.

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