Und immer wieder: Die Hütte

Wir waren nochmal auf der Hütte, resp. im Weltkulturerbe. Zwei Mal, zuerst mit den „Kindern“ (und die hatten auch ihre Kinder mitgebracht; die Männer kamen nicht mit, mussten arbeiten oder hatten keine Lust, kann man verstehen…), und dann mit einer lieben Freundin meiner Frau, aus der Nähe von Aachen, und deren Tochter, die vor 7 Monaten Mann und Vater zu Grabe tragen mussten.

28. 03. 2010: Mit den Kindern waren die sonst eher gemiedenen Attraktionen Ferrodrom und Gehirnausstellung ausnahmsweise mal wirklich attraktiv und erwiesen sich als echte Bringer. Seiltanz ausprobieren, selbst Münzen prägen, turbulente Wolken und Riesenseifenblasen machen hat auch mir viel Spaß gemacht. Edutainment par excellence, die Kinder – groß und klein – hatten Spaß und haben ganz bestimmt auch was dabei gelernt. Und uns Erwachsenen war’s kein bisschen langweilig. Wirklich ganz prima und sehr zu empfehlen, wenn Sie Kinder (dabei) haben.

ferrodrom

10. 04. 2010: Das Weltkulurerbe als Symbol und Projektionsfläche für die Endlichkeit allen Seins, vom Vergehen und Neuwerden als „Internationales Zentrum für Kunst und Industreiekultur”? Das ganze Grün, der wilde Weizen und die Birken, die aus Beton und rostigem Eisen wachsen, als Parabel aufs Wiederwerden, auf die Auferstehung, Phoenix aus der Asche? – Nun, man sieht Gesichter und Gesichte. Aber die Hütte bleibt sich treu und – mit all ihrer Wucht – das kolossale, rostige, gefühllos menschenfressende Monstrum, das sie immer schon war in den letzten Hundertundwasweißichwievieljahren.

Es war ein Spaß, mal Baggerführer zu sein und die Rutsche ’runter zu … rutschen, mit quietschender Schuhbremse und irgendwie an die eigenen ersten tapsigen Schritte ins Leben erinnert.

Picknick im „Paradies“ mit Sonne, blauem Himmel, Keksen und leckerer Wurst aus Würselen, mit Blick auf die Saar, die Zwillinge „Dorothea und Hermann“ (oder wie sie auch heißen mögen, die 3 Zwillingshalden der Völklinger Hütte, die „Hostenbacher Alpen“, in Wadgassen, versteh’ eine/r die Welt – zumal im Saarland.) im Auge – „just a perfect day“ –, … und jetzt ist der Faden endgültig gerissen. Es war einfach nur toll, prima, immer wieder ein Hammer, und nach nur gut viereinhalb Stunden waren wir einfach nur noch platt und satt, und unsere Besucher mussten auch zum Rendezvous für die Heimfahrt.

Irritierend war – neben den bekannten Ärgernissen wie der mehr oder weniger zerstörten Gasgebläsehalle und den wild in der Gegend herumgehängten Versatzstücken der AP-Ausstellung – wieder einmal die Eintrittspreispolitik: Rentner und Hartz IV-Empfänger zahlen 12 Euro, Mercedesfahrer im ADAC nur 10. Prima. Geht auch mit VW, Opel und Toyota, Hauptsache ADAC – statt Hartz IV. Da sparst Du was. – Versteh’ ich das?

parkplatzarbeiten

Der Parkplatz wird geteert. Am Tag der Offenen Tür war er deswegen gesperrt. Cool. Kann man sich schonmal daran gewöhnen, dass kostenloses Parken abgeschafft ist; die Automaten stehen schon. Und ein „Willkommen“-Schild auf dem noblen, neuen und teuren Parkplatz endet mit den Worten „Ihr Dr. Meinrad Maria Grewenig“. Ich weiß, ich tue ihm Unrecht, aber… die ganzen Folienbuchstaben, von Hand dekupiert, die Stunden, die das dauert, was das kostet, und dann die ganzen Satzfehler darin, die falschen Apostrophe, die abgefallenen oder abgepittelten Buchstaben, verbesser’ und erneuer’ das mal eine/r… . „Mein“ Werbetechniker wäre reich, sagt er, wenn er diesen Auftrag hätte. Und ich auch. Und „wenn nicht“, könnten wir’s immer noch drucken statt in Folie; kostet weit weniger als die Hälfte, aber… .

Im Ferrodrom wurde ich – von einer wirklich nicht freundlichen Aufpasserin – darauf aufmerksam gemacht, dass man hier nicht fotografieren darf. Durfte ich immer hier, schon mindestens ein Dutzend Mal. Aber vermutlich ist das Ausstellungskonzept neuerdings so geheim, dass, dass, dass … wer immer es sehen will, erstmal 12 Euro zu zahlen hat anstatt sich Fotos anzusehen. Oder 10, also Euro, falls der Industriekultur-Ausstellungs-Management-Ausspionierer… nun ja, Mitglied im ADAC ist anstatt nur als 1-Euro-Jobber unterwegs für irgendeinen „gutmütigen Zweck“ (Helge Schneider).

Der Ton macht die Musik, und die Musik war dissonant und nicht nur unterschwellig aggressiv, und das steht dem Weltkulturerbe wirklich nicht gut zu Gesicht. Finde ich. Aber wer bin ich schon? Vor 14 Tagen, in der Gebläsehalle, klärte uns ein überaus freundlicher Sicherheitsmitarbeiter ebenfalls über die Grenzen der Fotografiererlaubnis auf, aber ungleich netter, freundlicher und ganz ohne körperlich-sublime Drohgebärde, ohne vor der Brust gekreuzte Arme und ganz ohne bösen Blick; er sprach auch nicht so hektisch und von oben herab. Was will man machen? Ich sah ihn unterm Erzaufzug wieder und habe ihn freundlich gegrüßt – er grüßte freundlich zurück, und schon stimmte die Welt auch wieder.

In Kokerei und „Paradies“ pfiffen wir dann auf die Helmpflicht und ich „kletterte“ über die Absperrung, was wenig anstrengend war bei vielleicht 30 cm Höhe, mir aber ganz neue Ausblicke eröffnete.

paradies_lost

Liebes Weltkulturerbe Völklinger Hütte, danke für die einzigartigen Eindrücke und Erlebnisse, die Du einem als Besucher immer wieder und immer wieder bietest. Für Dein Management kannst Du ja nix.

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