Phönix aus der Asche

So heißt die heute eröffnete Ausstellung „Industriefotografie von Doris Schmidt” im Beratungscenter Neumarkt der Sparkasse Saarbrücken.

Doris Schmidt, Völklinger Wochenspiegel-Redakteurin und viel, viel länger schon Fotografin aus Passion und Berufung, war als erste mit der Kamera 1992 auf dem Gelände der stillgelegten Völklinger Hütte unterwegs. In der „Toten Stadt“ war nichts gesichert, nichts „begehbar” gemacht, seit 6 Jahren nichts gewartet oder auch nur kontrolliert; das Monster schlief nur, bzw. starb so langsam weg. Begleitet von einen ehemaligen und umfassend ortskundigen „Hüttenmann” konnte sie eine Woche lang das Gelände durchstreifen und vieles auf Schwarz-Weiß-Film bannen, was schon lange nicht mehr existiert.

1992 breitete Doris in meinem damaligen Büro in Saarbrücken Kontaktabzüge davon vor mir aus. Wir waren nur ein kleines Häufschen Versprengter, die die Hütte nicht weg haben wollten, und wurden bestenfalls milde belächelt. Wie gerne wäre ich auch auf dem Gelände gewesen. Das Bisschen, was ich damal fotografiert habe, s/w, mit Praktika Brutale, fällt kaum ins Gewicht. Ich wollte das damals einfach nur sehen. Es war schon gut und richtig so, dass Doris Schmidt ging und nicht ich. Und sie fotografierte.

Nachdem sie ihre Bilder der Völklinger Hütte in der Vergangenheit bereits gezeigt hat in Völklingen im Wasserwerk Simschel, im Neuen Rathaus, in der Stadtsparkasse und nicht zuletzt in der Werkstatt des Café Umwalzer im Weltkulturerbe Völklinger Hütte (die Laudatio hielt kein Geringerer als Dr. Grewenig), hat sie ihr Portfolio um Aufnahmen von Relikten des saarländischen und ostlothringischen Bergbaus sowie aus dem Innern des Völklinger Stahlwerks erweitert. Und schon wieder bin ich neidisch; im Stahlwerk würd’ ich auch gern mal knipsen… .

Leider ließen die einführenden Worte des Sprechers der Sparkasse ein gerüttelt’ Mindestmaß an Reflexion vermissen: Er sprach ohne Ironie von „glorreicher Vergangenheit” und – sinngemäß – dass wir mit der Vergangenheit als Vorbild für die Zukunft selbige gestalten werden mögen. Also nicht in diesen Worten, aber sinngemäß genau so ein schwer erträgliches Statement gab er ab. Die Worte „Industriekultur, Industriegeschichte” oder „industrielles Erbe“ nahmen auch die danach Redenden nicht in den Mund; immerhin: „Schweiß“ kam vor. Machen wir’s wie früher: Schwamm drüber.

Essen hat man ja nicht mehr bei Vernissagen, ist ja dekadent, war also lausig, Orangensaft dito, Wein weiß ich nicht, Service sehr cool: erst Gläser einsammeln und danach mit offenen Flaschen die Runde machen. Schade, dass ich keine Lust auf Wein hatte. Ich hätte so schön meine Hände zu einer nach oben offenen und nach unten geschlossenen Halbkugel falten und sie der „Bedienung” mit bittendem Blick über den Brillenrand entgegenhalten können. Und endlich mal in der Sparkassenzentrale Rotweinflecken auf den Teppichboden machen. Vielleicht sogar Kippen darauf austreten? Tanzen zur teilweise wirklich Tollen Live-Musik von „Les Cajons”? Manipulationen am Computer zu Gunsten meines eigenen Kontos ausführen?

Nein, ich hatte keine Lust auf Wein und Nächte in Untersuchungshaft. Die Band war cool. Aber Smalltalk gehört nicht zu unseren Kernkompetenzen, und so waren wir inkl. der Begleitung unseres Freundes Ivo Kunz früh wieder weg, nicht ohne Doris vorher viele geklebte Punkte zu wünschen. Drei waren schon da, und – alleh hopp – schauen Sie sich’s an. In Saarbrücken, In der Sparkasse, mittendrin. Die Fotos von Doris Schmidt sind sehenswert.

vernissage_d_schmidt

P. S . : Doris’ Fotos habe ich aus Respekt vor dem geltenden Urheberrrecht nicht abfotografiert. Sehen Sie selbst:

Phönix aus der Asche
– Industriefotografie von Doris Schmidt –
im Beratungscenter Neumarkt
der Sparkasse Saarbrücken
Neumarkt 17, 66117 Saarbrücken
8. Juni – 2. Juli, Mo – Fr 8.15 – 16.00

[ ein www. … konnte ich nirgends entdecken. ]

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