Staatsgeschenke – 60 Jahre Deutschland

staatsgeschenke_2…und wieder einmal hat Herr Dr. Grewenig geladen, und wir – meine wundervolle Frau und ich – natürlich nix wie hin. Nach beeindruckender Musik vom „Palatia Classic-Brass-Ensemble” unter Leitung von Professor Leo Krämer versprach uns der Generaldirektor des Weltkuturerbes Völklinger Hütte gewohnt vollmundig, mit der heute zu eröffnenden Ausstellung „Staatsgeschenke – 60 Jahre Deutschland” nichts weniger als unser Geschichtsverständnis verändern zu wollen. Dass er versehentlich eine Herde Elefantenfigurinchen unserem Ex-Kanzler Kohl, zuschrieb, korrigierte später der ehemalige Generaldirektor des von ebendiesem initiierten Deutschen Historischen Museum in Berlin. Die Elefanten stammen aus der Sammlung Juliane Weber, und auch sonst war Herr Prof. Dr. Christian Stölzl der mit Abstand eloquenteste und unterhaltsamste Redner an diesem Abend. Dazwischen stieg der saarländische Ministerpräsident Peter Müller in die Bütt und war – wie immer – um Witzigkeit bemüht und dabei auch nicht ganz erfolglos. Unterbrochen von „Musiken” von Felix Mendelssohn Bartholdy und Georg Friedrich Händel vergingen die Reden, zumindest für mich, an der starken Schulter meiner Holden (wie) im Schlaf. Danach kam das gewohnt große Gedränge beim Rundgang durch die Ausstellung.

ronald_reagan„Staatsgeschenke – 60 Jahre Deutschland” ist, um es gleich vorweg zu sagen, keineswegs uninteressant: Sie sehen, was bei Staatsbesuchen ganz offiziell den Besitzer wechselt, aber so gut wie nie der Öffentlichkeit bekannt wird. Sie sehen Prunksucht (Goldiges aus Arabien), Understatement (handbemalte Stoffbahnen aus Afrika), Versuche subtiler Beeinflussung (letzte Abendmahle in Perlmutt von Jassir Arafat und aus Jordanien) und puren Größenwahn (güldenes Halbrelief-Portrait in Übergröße von Ronald Reagan als Bucheinband). Der verschenkte tatsächlich ein Buch über sich selbst in grob geschätztem Din-A-2-Format mit einem vergoldeten Halbrelief der eigenen Visage vornedrauf? – Jo, das hat der gemacht. Hat der sich denn nicht geschämt? – Nö, aber wahrscheinlich alle, die es geschenkt bekamen.

Garniert werden die Exponate von zeitgeschichtlichen Fotografien und Zitaten unserer Bundekanzler, der Kanzlerin und von Bundespräsidenten, die durchaus helfen, die Exponate den jeweiligen weltpolitischen Verhältnissen zuzuordenen. Verwirrend bleiben indes die Anordnung des Rundgangs, der reziprok-chronologisch angelegt ist, also von unserer Gegenwart in die Vergangenheit führt – und die Ankündigung von Herrn Dr. Grewenig, dass diese erstmalige öffentliche Ausstellung von offiziellen Staatsgeschenken, die höchste deutsche Amtsinhaber aus aller Welt erhalten haben, mein Geschichtsverständnis verändern werde. Aber wie „Mein Gehirn” den gesellschaftlichen Wissenstransfer beschleunigen soll, habe ich ja auch nicht kapiert. Trotzdem: Zum Besuch der Ausstellung kann angeraten werden.

Schade war, dass das am gleichen Tag eröffnete „Paradies”, die Industrienatur-Installation auf dem Kokereigelände der Völklinger Hütte, danach nicht mehr zu sehen war. Deshalb davon ein ander’ Mal mehr.

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