Europa, welch ein Land!

Hamdullilah – Europa!”, rief Halef aus. „Welch ein Land! Durch seine Mitte fließt ein breiter Fluß, die Idiotie. Links davon Italien, das hat gerade wieder einmal Berlusconi gewählt. Der will Auto- und Moppedsteuern abschaffen. Wenn’s die Haushaltslage zulässt. Und ein Post-Faschist, ja, in Italien heißen Parteien so, „Postfaschistische Aktion“, also einer von denen ist im Gespräch, Parlamentspräsident zu werden. In Russland, am anderen Ufer der Idiotie, wird der Präsident, Post-KGB-Mann, jetzt Regierungschef. Und weil deswegen ein anderer Präsident spielen muss, hat man dort flugs ein paar Bestimmungen geändert, und jetzt kann der Regierungschef den Präsidenten notfalls absetzen, des Amtes entheben und einen Neuen auf den Stuhl am Katzentisch heben. So kann nichts schief gehen, so bleibt man „Scheff von’t Janze“, wie man in Berlin sagt. Berlin ist auch eine Stadt und liegt auch im Land Europa, und der Fluß Idiotie fließt auch dort mitten hindurch. Deshalb war Berlin früher auch zwei Städte, wegen der Idiotie. Zwar waren Brücken wohl schon erfunden, aber mit Mauern und Stacheldraht verbaut, und irgendwie ging es nicht hin und her von hüben nach drüben und umgekehrt, es waren jedenfalls früher zwei Berlins, eins dies- eins jenseits des großen Flusses, eins rechts eins links der Idiotie gelegen. Und nicht nur die Stadt Berlin war durch die Idiotie geteilt, nein, das ganze Land Europa wurde von ihr in zwei Teile durchschnitten, eins rechts- eins linksidiotisch gelegen. Aber das ist Geschichte, jetzt ist Europa eins, von Grönland bis kurz vor die chinesische Mauer, vom Gulag bis noch ein gut’ Stück weiter rein nach Afrika als bloß bis Neapel. Dort hält Berlusconi übrigens (das ist deutsch und heißt übersetzt „a propos“ :o ) ) seine erste Kabinettsitzung ab. „In der Mafiahochburg?“ rufen kritisch die Ketzer, aber ich sage Euch: Das ist clever, nah am Kunden, wie man in Deutschland gern sagt. So heißt der Bürger jetzt dort: Kunde. Zumindest, wenn er arbeitslos werden sollte. Dann ist er nicht mehr Bürger, sondern Kunde, Kunde beim Arbeitsamt. So heißt das jetzt. Das spart Kosten, wie man auf Neudeutsch so schön dumm sagt. Aber was, fragen Sie sich, spart hier Kosten? Wenn der Kunde beim Arbeitsamt kein Bürger mehr ist? Ja, das spart auch Kosten, klar, richtig, aber das war nicht gemeint. In Italien ist das anders. Dort ist nicht der Bürger der Kunde des Staates, da hat der Staat andere Kunden, die er zu bedienen hat. In Deutschland ist der Kunde bedient, in Italien bedient sich der Kunde selbst. Ein Hund, ein Giaur, ein Ungläubiger, der hier von Mafia spricht. Mit dem Glauben hat der Italiener, nebst seiner Frau Gemahlin selbstredend, es sowieso. Der Controller tobt: „Wie war das mit den Kosten?“ Einfach so, Nähe zum Kunden ist praktisch, die Mafia wohnt in Neapel und wenn jetzt gleich das ganze Kabinett dort hin zieht, also was da an Flug-, Fahrt-, Bordell- und sonstigen Spesenkosten gespart wird…, also wenn die das immer so machen, der Vatikan und die italienischen Fußballklubs auch noch mitmachen, da kommen an gesparten Kosten eine so große Menge dicker Summen zusammen, das kann man gar nicht laut aussprechen, da(s) kann man nur summen zusammen. Zur Melodie von „Wer soll das bezahlen?“ von Paul Kuhn vielleicht?

Jedenfalls waren das noch nicht alle Länder von Europa, als da an weiteren zu nennen noch erwähnenswert wären: Nordkap ganz oben, Gibraltar ziemlich unten, links oben die Schottei, rechts unten Dsüpern, Schottland, Irrland, Wirrland, Scheschonien, die Niederlande, Holland, Luxenburg, Spanien, Belgien, Schweiz, die Beneluxländer, obwohl die Schweiz ist etwas anderes. Sie, ja, die Schweiz ist ein weibliches Land und deswegen voller Hügel, Kurven und Tunnel. Ich kann da nichts dafür, es ist halt so. Jedenfalls liegt die Schweiz zwischen lauter Bergen und nur am Rande von der Idiotie gestreift, trotzdem mittendrin im Land Europa, gehört aber nicht wirklich, aber letztlich dann doch dazu.

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Der Himmel über Europa wird Zins genannt, seine Wolken sind die Zinsen. Die werden mal größer, mal kleiner, saugen sich aber letztlich immer wieder voll, und wenn dann so ein Wolkenbruch kommt, dann regnet’s, und dann schwillt die Idiotie regelrecht an. Dann braucht man Geld, um das alles … zur Melodie von „Wer soll das bezahlen”….. Schäfchenwolken sind Zinseszinsen, und ob das Barometer steigt oder fällt, sieht man an der Börse. Die Wissenschaft hat herausgefunden, dass deren Auf und Ab auch ganz eng mit der Idiotie zusammenhängen. Das muss man sich mal vorstellen – als normaler Mensch.

Der Rest wird in Europa von den Selbstheilungskräften des Marktes geregelt, sinnvollerweise jetzt auch in Krankenhäusern: Da sollen jetzt Pfleger die Arbeit von Ärzten machen, weil auch das spart Kosten. So wird der Kunde, der hier leider immer noch wenig service-orientiert „Patient“ heißt, durch den Markt dazu gebracht, sich selbst zu heilen, und das – ist auch gut so. Wie soll es denn besser sein? „Heil Dich selbst, so heilt Dich Gott”, steht schon im Koran der Europäer geschrieben, und was kann besser sein als Allahs Wort und Willen zu befolgen? Außerdem spart es Kosten, ist sogar umsonst, und „umsonst” ist eigentlich alles in Europa. Man kann umsonst telefonieren – für 29,95 Euro im Monat, ein Jahr lang umsonst Bahnfahren mit der Bahncard, für zwischen 99 und 299 Euro. Umsonst kriegt der Harem meines Effendi im Gasthaus Essen, wenn er selbst seines bezahlt und das seines Hauses nicht teurer ist als sein eigenes. Alles ist umsonst, nichts kostet etwas; das spart Kosten! Wenn die Zinsen nicht wären, die alles Geld aus Deinen Kaftantaschen ziehen, weil Europa liegt nicht in der Sahara, einen Himmel voller Wolken – und Zinsen – gibt es dort immer und überall.

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