Bergwerk und Relikte
bergbaulichen Lebens in Luisenthal

Am Sonntagmorgen bot die VHS Völklingen einen „Rundgang um die Tagesanlagen des Bergwerks Luisenthal“ an, wo „sich eine Fülle industriekultureller Attraktionen von höchster Qualität erhalten“ hat. Die Exkursion fand unter der Leitung von Delf Slotta statt, und Dank einer unglücklichen Formulierung in der Ankündigung der Saarbrücker Zeitung ging es sogar ausnahmsweise auf’s Grubengelände selbst. Vor vier Wochen erst war ich mit der Kamera ums Gelände gestrichen, aber die Aussicht, es endlich einmal mit freundlichem „Glück Auf!“ auf den Lippen am Pförtner vorbei zu schaffen, ließ mich entgegen sonstiger Gewohnheiten für Sonntag den Wecker stellen.

Los ging’s für die gut 40 TeilnehmerInnen am Luisenthaler Bahnhof mit dem bekannten Blick über die Gleise auf das, was noch geblieben ist vom Bergwerk; der Rückbau schreitet gemächlich voran. Um die Fläche samt der direkt angrenzenden Halde werden Pläne für einen Energiepark gesponnen, die wohl schon bald zu einer Steigerung des Tempos führen werden. Die beiden Fördergerüste mit ihren Schachthäusern werden wohl erhalten bleiben; von den Maschinenhallen, dem Verwaltungsgebäuden und der Kaffeeküche weiß ich es nicht, aber fest steht, dass die schöne alte Werkstatt weichen wird.

Am Sitz der „Islamischen Gemeinschaft Milis Görüs” vorbei und durch den abenteuerlichen und sonntags gänzlich unbeleuchteten Fußgängertunnel hindurch ging’s zum großen Parkplatz vor der Kaffeeküche. Dann hob sich die Schranke und – schwupps – waren wir auf dem vergleichsweise kleinen Grubenareal, das sonst so strikt tabu ist für Besucher ohne offizielle Erlaubnis. Überall hin durften wir nicht, und Delfs Erlaubnis für die Gruppe war verknüpft an die Auflage, als Gruppe dicht zusammen zu bleiben. So ganz kann das mit so vielen mit Kameras Bewaffneten natürlich nie gelingen, aber niemand lief zu weit weg oder gar auf verbotenes Terrain und begab sich in Gefahr.

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[ Zu einem Pop-Art-Bild der Fördergerüste
der beiden Richard-Schächte aus dem Jahr 2009 ]

Vom Bergwerksgelände gingen wir weiter zu einigen bemerkenswerten Bergarbeiter- und Beamtenhäusern, wo sich schön die Unterschiede zwischen deutschem und französischem Bauen ablesen ließen. Auch die paar Meter zur Gedenkstelle für die 299 am 7. Februar im Alsbachfeld tödlich verunglückten saarländischen Bergleute, die immer noch ebenso beeidruckt wie tief bewegt, waren schnell geschafft. Im nächsten Jahr, wenn der Bergbau im Saarland endet, jährt sich das große Unglück zum 50sten Mal; man darf mit großem, symbolträchtigem Gedenken rechnen. Ich erinnere mich an meine Kindheit: In der Nachbarschaft, in der Schule, überall kannte ich Jungs und hatte Kameraden, deren Väter an diesem einen schwarzen Tag ums Leben gekommen waren. Mein Vater arbeitete in einem anderen Bergwerk und ließ unter Tage nicht sein Leben, sondern zwei Jahre später „nur“ seine rechte Hand. Der Bergbau hat – nicht nur an der Saar – nicht nur viel gegeben, er hat auch verdammt viel genommen.

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Von der Denkmalanlage gingen wir entlang der einst pulsierenden Luisenthaler Hauptstraße zu den beiden Stollenmundlöchern von Albert- und Veltheimstollen, die – gut versteckt und deshalb weithin unbekannt – trotz aufwändiger Restaurierung in den 1980er Jahren stark von Vandalismus und mangelnder Pflege gezeichnet sind.

[ Zu einem Pop-Art-Bild des Veltheimstollens ]

Nach kurzem Seitenblick auf den kargen Rest des früheren Luisenthaler Kraftwerks beschloss Delf Slotta unseren Rundgang vor dem Luisenthaler Bahnhof. Obwohl die Temperaturen nur sehr zögerlich über den Gefrierpunkt kletterten, war der kaum zwei Kilometer lange Rundgang sehr interessant, informativ, spannend und eine wirklich gelungene Sache. Natürlich gehörte eigentlich auch die Halde zum Thema, aber das hätte den zeitlichen Rahmen ebenso gesprengt wie die Kälteresistenz einiger TeilnehmerInnen. Und wie immer bot Delf zum Schluss Interessierten die Möglichkeit, weiterführende Literatur zum Thema aus dem erstaunlichen „Bauchladen“ seines Kofferraums zu erwerben.

Die Völklinger VHS will ihr Tourprogramm mit Delf Slotta weiter ausbauen; wir dürfen hoffen. Das Angebot Delfs sonstiger Exkursionen und Seminare finden Sie immer aktuell unter www.delfslotta.de . Da gibt es immer jede Menge Interessantes zu sehen, zu knipsen und unendlich interessantes dazu zu hören, beileibe nicht nur für Bergbauveteranen, -romantiker und -enthusiasten. Die drei bis fünf Euro, je nach Länge der Tour, sind immer bestens angelegt. Gehen Sie doch mal mit.

P. S.: Die Saarbrücker Zeitung berichtete heute, am 8. 3. im Lokalteil Völklingen-Warndt über diese VHS-Exkursion. „Zum Schluss gab es eine Führung durch das Verwaltungsgebäude.“, schrieb SZ-Mitarbeiterin Melanie Horn.

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Jesses, wo war ich denn da? Und wo war Frau Horn, als wir nach dem Bergwerksgelände noch halb Luisenthal durchstreiften?

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