Öffentlich zugänglich:
die Carrière in Freyming-Merlebach

Lieber Besuch aus Berlin war da, und weil Hauptstädter nur schwer zu beeindrucken sind – immerhin ist dort alles besser, schöner und größer als anderswo –, zockelten wir mit dem Auto in den Warndt, stellten es zwischen Karlsbrunn und dem ehemaligen Schacht Lauternach ab und gingen über unscheinbare Waldwege zur Aussichtsplattform hoch über der Carrière. Die hier über Jahrzehnte abgebauten Sand- und Steinmassen dienten dem ostlothringischen Bergbau zur Verfüllung von Stollen und Schächten. Dabei entstand ein Landschaftsbild, das einen eher an die Karpaten oder an Gegenden im Süden Nordamerikas denken lässt als an den Grenzstreifen zwischen Saarland und Lothringen. Fast rechnet man damit, dass jeden Moment Old Shatterhand und Winnetou um die nächste Ecke geritten kommen.

Das Ganze wollten wir uns heute aber nicht nur von oben ansehen; hinunter in die Carrière wollten wir, was bisher zwar nicht erlaubt, aber durch ein Loch im Zaun immer problemlos möglich war. Zu unserer Überraschung stellten wir fest, dass unbeachtet von zumindest der deutschen Öffentlichkeit das Gelände offiziell zugänglich gemacht wurde. Ein Stahltor lässt Fußgänger und Radfahrer durch, hält aber Autos und Motorräder fern, Wege wurden angelegt und gesichert, und nicht wenige Spaziergänger nutzen an einem einigermaßen sonnigen Sonntagnachmittag im Frühling diese Möglichkeit zu einem grandiosen Kurzurlaub direkt vor der Haustür.

Zuerst erklommen wir den Terril 2 der Schachtanlage Ste. Fontaine, was einem zwar durchaus etwas abverlangt; das karg gestaltete Gipfelplateau entschädigt dafür aber mehr als ausreichend. Neben Ausblicken auf das große, rote Fördergerüst der Puits St. Fontaine und die beiden der Puits Cuvelette aus unterschiedlichen Epochen fanden wir an einer Stelle Spalten und Risse in der Erde, aus denen heißer Dampf aufsteigt; die Halde scheint im Innern zu brennen.

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[ Zu einem Pop-Art-Bild der Merlebacher Halde aus dem Jahr 2010 ]

Entlang des Zauns, der die nicht zugänglichen Felshänge absperrt, gingen wir den steilen Hang hinunter zur Talsohle der Carriere, wo man auf komfortabel ausgebauten Wegen um die beiden Weiher wandern kann.

carriere_merlebach_03_2011

Es ist tatsächlich, als sei man in eine andere Welt versetzt und nicht gerade zwanzig Kilometer von Völklingen entfernt. In der Carrière Merlebach hat sich ein Biotop mit zahlreichen Wasservogelarten gebildet, die ein lebhaftes Schauspiel boten. Von Rehen und Wildschweinen sahen wir Spuren; es dürfte interessant sein, sich hier einmal nachts aufzuhalten. Aber auch bei Tag bietet dieses Ziel zu jeder Jahreszeit und jeder Witterung ein weit und breit absolut einmaliges und Industrienatur- und Landschaftserlebnis. Wenn Sie Carrière und Halde umrunden wollen, nehmen Sie aber besser ein Picknick-Paket mit; auf dem Nachhauseweg knurrten unsere Mägen wie um die Wette. Schöne Plätze mit berückenden Aussichten für Ihr Picknick finden Sie zuhauf.

P. S.: Wir unternahmen noch einen kleinen Abstecher zur Schachtanlage Lauterbach; es sind ja nur ein paar hundert Meter. Das Fördergerüst über dem Schacht Lauterbach steht aber nicht mehr.

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Eine Reaktion zu “Öffentlich zugänglich:
die Carrière in Freyming-Merlebach”

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