„Pads“ – Kunstinstallation auf dem
Saarbrücker Ludwigsplatz

Der frühere saarländische Ministerpräsident Franz-Josef Röder soll den Platz vor seinem Amtssitz wegen dessen rautenförmig farblich abgestufter Bepflasterung angeblich abwertend „Steppdecke“ genannt haben.

Henrik Elburn, aus dem nordrhein-westfälischen Siegen stammender Student der Saarbrücker Hochschule der Bildenden Künste, hat das angeregt zu seiner Installation „Pads“, die seit heute den Platz rund um die Ludwigskirche mit 100 je vier mal vier Meter großen und ca. 1,80 Meter hohen roten Luftkissen verzaubert, die normalerweise zur Transportsicherung in Containern eingesetzt werden.

pads_april_2011_1

Die 20.000 Euro, die Henrik Elburns Diplomarbeit gekostet hat, hat er klug durch Sponsoren aufbringen können wie z. B. den Hersteller der Transportsicherungs-Polsterkissen, eine Baumarkt-Kette und einen örtlichen Energieversorger. Noch aufwändiger gestaltete sich allerdings das Genehmigungsverfahren: Insgesamt elf Zusagen holte Elburn seit vergangenem August ein, darunter die von Stadt, Land und Kirche.

Die satt rot leuchtenden „Pads“ sind noch bis zum 15. April zu sehen. Zwischen ihnen umherlaufen oder -schlendern und ein bekanntes Stück Stadt einmal mit anderen Augen sehen kann man noch genau so lang.

P. S.: Weil am Samstag die Installation noch nicht vollständig aufgebaut war – auf dem Platz vor der Ludwigskirche wurde der allsamstägliche Markt abgehalten – und weil meine Frau die „pads“ auch sehen wollte, ging es sonntags gleich noch ein Mal hin.

pads_april_2011_2

„Die Rauminstallation „pads“ ist der Versuch, neben dem visuellen Reiz der Farbzeichnung eine Raumauflösung durchzuführen. Scheint vor dem Betreten die geometrische Struktur des Ludwigsplatzes noch greifbar, verschwimmen nach dem Betreten die Grenzen, und die Endlichkeit wird aufgehoben. Sind die Einzelobjekte zunächst durch ihre Lage noch fest mit dem Raum verbunden, isolieren sie sich durch ihre scheinbare Leichtigkeit vom Raum und bilden nach einer Betrachtungsweile nur noch ein Abbild des Raumes und seiner Struktur.

Gleichzeitig zur eigenen Raumerfahrung wird dem Betrachter die Qualität des Platzes verdeutlicht. Das Aufnehmen der Rautenstruktur der Fläche in eine dritte Dimension verleiht dieser eine Plastizität. Die Rauminstallation wird greifbar und bekommt somit einen auf die Wahrnehmung ausgerichteten Charakter. Durch die seriell immer wiederkehrende Form der Kissen entstehen Schluchten, die durchwandert werden können.

Das Platz hinter der Ludwigskirche bleibt vollständig bespielt wahrnehmbar. Aufgrund einer großen, geometrischen Freifläche erlebt der Betrachter den Platz vor der Kirche jedoch als lückenhaft und scheinbar unvollständig. Diese offene Freifläche wiederum führt eine der Sichtachsen weiter, die der Architekt Friedrich Joachim Stengel (1738 – 1775) in das Stadtbild Saarbrückens eingefügt hat. Diese Sichtachse wird bildhaft in die Installation eingefügt.“

(Henrik Elburn zu „pads“)

Ja, so kann man es auch sagen, bzw. so muss man es vielleicht sogar sagen, wenn es sich dabei um eine Diplomarbeit handelt. Auf jeden Fall bietet die Installation „pads“ die sinnliche Erfahrung, etwas Altbekanntes wie den Saarbrücker Ludwigsplatz einmal ganz anders und vollkommen neu zu erleben. Gehen Sie doch mal hin, „pads“ gibt es noch bis zum 15. April, und der Eintritt ist frei.

Kommentarfunktion ist deaktiviert