Antwort von der Hermann-Röchling-Höhe

8. Juli 2012

Zu meinem Beitrag „Hermann-Röchling-Höhe – eine Polemik“ vom 13. Juni erreichte mich am 8. Juli folgende E-Mail:

Sehr geehrter Herr Albert,

als Pressesprecher der Bürgerinitiative zum Erhalt des Namens des Völklinger Stadtteils Hermann-Röchling-Höhe finde ich es äußerst schade das Sie keine Kommentare in Ihrem Blog zu diesem Thema zulassen.

Warum? Scheuen sie so sehr Gegenargumente?

Sie schreiben, dass sich Sprecher der BI angeblich auf das Vokabular des Völklinger NPD-Fuzzis Frank Franz beziehen und Befürworter einer Um-Benennung als „Gutmenschen“, „Geschichtsfreaks“ und „intolerante Fanatiker“ bezeichnen.

( Ihre Bezeichnung Fuzzi trägt nicht gerade zur Sachlichkeit bei)

Zur Klarstellung :

Wir von der Bürgerinitiative bezeichnen die Befürworter einer Umbenennung weder als Gutmenschen, Geschichtsfreaks oder sonst etwas, wie Sie es uns zu unterstellen versuchen. Ganz im Gegenteil wir sind der Meinung das jeder ein Recht auf seine Meinung hat und tolerieren dies auch, was sich auch in der internen Bürgerbefragung zeigte – jeder wurde wertneutral ernst genommen.

Ihr Staunen über meine Äußerung als Immobilienmakler zum möglichen fallen der Immobilienpreise zeigt weiterhin Ihr Unwissen in wirtschaftlich wichtigen Zusammenhängen. Gerne kläre ich Sie in einem persönlichem Gespräch darüber auf. Desweiteren pflege ich geschäftlich sehr gute und freundschaftliche Kontakte nach Tel Aviv.

Schade ist meiner Meinung nach Ihre vollkommene Entgleisung „Altnazi-Höhe“wäre doch ein sehr treffender Name für die Hermann-Röchling- Höhe.

Zu einer persönlichen Auseinandersetzung im Gespräch bin ich jederzeit gerne bereit. Auch nehme ich gerne Anregungen bezüglich unserer 75 Jahrfeier wie z.B. in Form einer Kunstaustellung entgegen.

Mut zur Sachlichen Auseinandersetzung könnten Sie beweisen wenn Sie eine solche Stellungnahme in Ihren Kommentaren zulassen würden.

mit freundlichen Grüßen

Torsten Krieg
Pressesprecher BI

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Sehr geehrter Herr Krieg,

vielen Dank für Ihre E-Mail. In meinem Blog lasse ich Kommentare nicht zu, weil ich kein Diskussionsforum betreibe. Außerdem habe ich in seinen Anfängen die Erfahrung gemacht, dass man damit überwiegend Unqualifiziertes und Werbung einsammelt.

Ihr Schreiben veröffentliche ich als eigenständigen Beitrag und werde es über diese meine E-Mail-Antwort an Sie hinausgehend nicht kommentieren.

Die Termini „Gutmenschen“, „Geschichtsfreaks“ und „intolerante Fanatiker“ entnahm ich der Berichterstattung der Saarbrücker Zeitung über Ihre Bürgerinitiative. Sie stellten dort ausdrücklich Zitate Ihrer (im SZ-Beitrag sogar namentlich genannten) Mitglieder dar, mit denen sie Beführworter einer Umbenennung Ihres Stadtteils bezeichneten. Dass ich mit meinem Artikel nicht „zur Sachlichkeit“ beitragen wollte, sagt schon seine Überschrift: „Hermann-Röchling-Höhe – eine Polemik“.

Sehr interessant und für sich sprechend finde ich Ihre rhetorische Figur, der zufolge meine Nichtzustimmung zu Ihrer These fallender Immobilienpreise im Stadtteil im Fall einer Umbenennung lediglich „mein Unwissen in wirtschaftlich wichtigen Zusammenhängen“ zeige. Manchmal geht das eben so: Wer eine Meinung nicht teilt, hat halt keine Ahnung.

Und mit dem Begriff „Altnazi-Höhe“ wollte ich keineswegs die Bewohner des Stadtteils oder die Befürworter einer Namensbeibehaltung diffamieren, sondern – zugebenermaßen polemisch zuspitzend – daran erinnern, wofür der jetzige Namenspatron historisch zu stehen hat.

Für Ihre Einladung zum persönlichen Gespräch danke ich Ihnen, werde mich aber weder hier noch an anderer Stelle weiter zum Thema öffentlich äußern. Für mich stellt die Diskussion mittlerweile ein „totes Rennen“ dar; die Umbenennung Ihres Stadtteils haben Sie in absehbarer Zeit ganz gewiss nicht zu fürchten.

Freundliche Grüße

Franz Albert
KUNST + DESIGN

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Der Wassergarten in Landsweiler-Reden –
jetzt offiziell öffentlich zugänglich

25. Juni 2012

Vorletzten Winter schon hatte ich an dieser Stelle den Wassergarten Reden irrtümlich für eröffnet erklärt. Nun, tatsächlich war ein ansehnlicher Teil der Anlage schon fertig; aber jetzt am 17. Juni wurde die gesamte Anlage feierlich offiziell eröffnet. Für 2,8 Mio Euro wurde eine in Europa einmalige Anlage geschaffen: Aus den Tiefen der stillgelegten Steinkohlengrube in Landsweiler-Reden wird 32 Grad warmes Grubenwasser hochgepumpt, zur Energiegewinnung genutzt und dann in den nahen Klinkenbach abgeleitet.

Normalerweise geschieht so etwas über zweckmäßige Bassins und unansehnliche Rohrleitungen, und niemand nimmt Notiz davon. Hier am Zukunftsort Reden aber hat man ein mehr als ansehnliches Naherholungsgebiet geschaffen, dessen Erlebniswert keinen Vergleich scheuen muss. Teilweise lässt mich die Anlage an den Duisburger „Garten der Erinnerung“ von Dani Karavan denken. Und der Bereich unter Sieberei und Schachthalle erinnert an manche Ecke des Freigeländes des Essener Weltkulturerbes Zeche Zollverein.

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Der Redener Wassergarten ist beispielhaft, was die Bewältigung der „Ewigkeitslasten“ des zu Ende gehenden Bergbaus angeht: In den kommenden Jahren, Jahrhunderten und Jahrtausenden muss kontinuierlich Grubenwasser abgepumpt werden, wenn es für viele Gegenden an Saar und Ruhr nicht dauerhaft und im Wortsinn „Land unter“ heißen soll. Das durch die Hitze im Erdinnern erwärmte Wasser lässt sich hervorragend zu Heizzwecken und zur Energiegewinnung nutzen. Und wenn es dann noch gelingt, die dafür erforderlichen technischen Anlagen so aussehen zu lassen, dass es Spaß macht und überaus spannend ist, sich darin, bzw. dazwischen zu bewegen und man das auch darf, ja sogar ausdrücklich soll, halte ich das rundum für zukunftsweisend.

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Für das Gelände der ehemaligen Grube Reden, heute „Zukunftsort“ genannt, ist der Wassergarten – mit den vorhandenen und geplanten Attraktionen wie dem Gondwana-Park, der faszinierenden Haldenlandschaft, dem Skaterweg und und und – eine sinnvolle Ergänzung und wertet den Standort noch weiter auf. Erfreulich und wahrscheinlich der ausnahmsweise einmal wohlwollenden Berichterstattung unserer saarländischen Leitmedien geschuldet war, dass auch an einem trüben Sonntagnachmittag wie gestern recht viele Menschen dort unterwegs waren. Gehen Sie mal hindurch; es ist wirklich ein Erlebnis, und der Eintritt ist frei!

[ zu einem früheren Beitrag über den Redener Wassergarten ]

Endlich wieder freie Sicht von der
Bergehalde Viktoria in Püttlingen

14. Juni 2012

Ich bin gewiss kein Freund unnötiger Baumfällungen, aber wenn ich in den letzten Jahren auf die Püttlinger Bergehalde stieg, kam schon der Wunsch nach einer Kettensäge mit Benzinmotor auf. Was – oder wem – nützt ein solch grandioser Aussichtspunkt, wenn man – außer jede Menge Baumwipfel, keiner weiter weg als vielleicht zwanzig Meter – nichts sieht?

Der Püttlinger – oder war’s der Köllerbacher – Obst- und Gartenbauverein bekam dankenswerter Weise die offizielle Erlaubnis, dort ehrenamtlich zu roden. Ich las in „der Zeitung“ davon, und irgendwann gegen Mitte Mai kamen meine Frau und ich endlich mal dazu, es uns anzuschauen. Okay, wenn man jetzt da hoch geht, sieht’s entlang des oberen Wegdrittels ein wenig ruppig aus, aber dort auch noch ein paar Sträucher oder Stauden zum Kaschieren zu pflanzen, kann man – ehrenamtlich – vom Obst- und Gartenbauverein nun wirklich nicht auch noch erwarten.

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Dem Obst- und Gartenbauverein, der sich ohne Lohn oder auch nur Aufwandsentschädingung diese Arbeit augeladen hat, sei Dank. Die 360-Grad-Rundumsicht von der Püttlinger Bergehalde Viktoria ist einfach und wirklich nur grandios! Denjenigen, die für die Genehmigung zuständig waren, also den Eigentümern des dortigen Grund und Bodens, sei ein dreifach „Pfui Teufel“ zugerufen, weil sie nicht eher auf die Idee gekommen sind und erst wach wurden, als die Obst- und Gartenbauer sich anboten, den Missstand „kostenneutral“ zu beheben, und weil sie selbst dann für flankierende Maßnahmen keinen Cent in die Hand nehmen wollen!

Hermann-Röchling-Höhe – eine Polemik

13. Juni 2012

Im Streit um den Namen des Völklinger Stadtteils Hermann-Röchling-Höhe hat sich im Stadtteil aktuell eine Bürgerinitiative für den Erhalt des seit 1956 geltenden Namens gegründet. In ihren Wortmeldungen befleißigen sich Sprecher der BI ungeniert des Vokabulars des Völklinger NPD-Fuzzis Frank Franz und bezeichnen Befürorter einer Umbenennung locker als „Gutmenschen“, „Geschichtsfreaks“ und „intolerante Fanatiker“. Laut Saarbrücker Zeitung agiert dort u. a. ein Immobilienmakler, der argumentiert, die Immobilienpreise würden fallen, wenn der Stadtteil umbenannt würde; er selbst sei nie da hingezogen, wenn’s dort noch „Bouser Höhe“ heißen würde. Ich staunte nicht schlecht und frage mich, ob nicht vielleicht auch der Name eines rechtskräftig verurteilten Nazi-Kriegsverbrechers den ein oder anderen davon abhalten könnte, dort wohnen oder eine Firma ansiedeln zu wollen. Am Rande erwähnt sei hier, dass in den vergangenen Wochen und Monaten zwischen fünf und zehn Prozent der Besucher dieser Website lt. Webstatistik über Einwahlknoten in Tel Aviv hierher finden. Anderorts scheint man dem Thema nicht ganz so phlegmatisch gegenüber zu stehen wie manch eine/r hierzulande.

Außerdem hat sich der kommende saarländische Kulturzar zu Wort gemeldet: Ungefragt und so weit ich weiß, ohne Auftrag, gab Professor Dr. Meinrad Maria Grewenig in einer von ihm selbst so genannten „gutachterlichen Stellungnahme“ seine Meinung zum Thema zum Besten. Ich muss zugeben, dass darin die ersten Argumente zu lesen sind für die Beibehaltung des Nazi-Namens, die mich zumindest für Momente ins Grübeln statt zum Kopfschütteln brachten. Kern des „Gutachtens“ ist die These, dass es sich beim Namen „Hermann-Röchling-Höhe“ um ein „immaterielles Denkmal“ handele und man – sicher richtig – die Vergangenheit nicht bewältigen oder wenigstens verarbeiten könne, indem man ihre Spuren auslöscht. So weit, so gut. Um dem gerecht zu werden, solle man allerdings auf der Hermann-Röchling-Höhe auch Hermann Röchlings Nazi-Vergangenheit angemessen dokumentieren, schlägt Grewenig vor. Ich bin sicher, an dieser Stelle tobt Herrn Grewenig kein Applaus von seinen Mitbefürwortern der Namensbeibehaltung entgegen. Das fehlte noch, dass einer deren Denkmal (sie bewerten das alles vermutlich mehrheitlich etwas anders) für den vermeintlichen Wohltäter Völklingens in dieser Weise in den Schmutz zieht. Nein, Herr Grewenig, damit schaffen Sie sich dort gewiß keine Freunde!

Außerdem behauptet Herr Grewenig, das von ihm geleitete Unesco-Weltkulturerbe Völklinger Hütte nähme Schaden im Fall einer Umbenennung. Wieso, bleibt unklar. Wird deswegen die Sozialgeschichte der Hütte inkl. der Geschichte der dort oftmals in Krankheit, Invalidität und auch zu Tode geschufteten Zwangsarbeiter immer noch nicht adäquat aufarbeitet? Ich gebe zu, ich gelange an Grenzen meiner Verständnisfähigkeit.

Grewenig sagt auch, der Name „Hermann-Röchling-Höhe“ stünde in der Tradition der Flurnamen. Hm? Die Benennung erfolgte 1956, also elf Jahre nach Kriegsende und ein Jahr nach der Freilassung Hermann Röchlings aus wohlverdienter Haft – übrigens damals gegen heftigen Widerstand nicht weniger Bewohner des Stadtteils. Also: Statt dem traditionellen Flurnamen, der ja wohl unstrittig über sehr, sehr lange Zeit „Bouser Höhe“ lautete, ist der aktuelle Name des Stadtteils eher einem entnazifizierungsrenitenten Stadtrat geschuldet, der damit wissentlich den Namen eines verurteilten Nazi-Kriegsverbrechers ehren wollte! – Flurnamentradition?

Morgen tagt in öffentlicher Sitzung der Völklinger Stadtrat und wird nach meiner Einschätzung beschließen, nichts zu tun und alles beim (seit 1956) Alten zu belassen. Das ist schade, weil „Altnazi-Höhe“ wäre doch ein sehr treffender Name, wie mir mittlerweile scheint. Hängt dazu noch ein paar Hakenkreuzfahnen aus den Fenstern, und fertig ist das immaterielle Denkmal!

P. S.: Dies ist selbstredend keine gutachterliche Stellungnahme, sondern lediglich eine völlig unmaßgebliche, private Meinungsäußerung und – bitte beachten – nicht ganz frei von Polemik!

Zu Fuß von Bous nach Völklingen
entlang der Saar

16. Mai 2012

Zugegeben, der Fußweg entlang der viel befahrenen B51 von Bous nach Völklingen bietet keinen klassisch schönen Spaziergang, aber seltene und beeindruckende Blicke auf Teile der Industrielandschaft, die das Saartal rund um Völklingen prägt:

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Spaziergang auf dem
ehemaligen Kokereigelände in Fürstenhausen

9. Mai 2012

Im Laufe der Jahre sammelt sich in meinem Beruf eine beachtliche Menge Elektroschrott an. Es war an der Zeit, zum Völklinger Wertstoffhof zu fahren, der im vergangenen Jahr von Geislautern aufs alte Kokereigelände in Fürstenhausen umgezogen ist. Und wo wir schon mal da waren, machten wir auch einen kleinen Spaziergang übers Gelände. Nach der Sprengung des unter Denkmalschutz stehenden Gasometers im September 2008 ist zwar von der einst riesigen Kokerei nichts mehr da außer dem Gerippe eines Kühlturms, aber interessant fanden wir’s trotzdem.

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40 Jahre lang wurde hier von 1959 an Koks „gebrannt“, und wenn auch von der Kokerei mit ihren acht Batterien außer dem Kühlturmgerippe nichts übrig blieb, lohnt sich doch ein Besuch: Hier lässt sich auch heute noch ganz hervorragend ablesen, wie die frühere Montan-Verbundwirtschaft funktionierte: Kohleförderung, Verkokung, Stromgewinnung und die Eisen- und Stahlerzeugung fanden auf engstem Raum im Umkreis weniger Kilometer statt. Der Klarenthaler Dellbrückschacht, die beiden Richard-Schächte der Grube Luisenthal, der frühere Kohlenverladeplatz in Luisenthal, das ehemalige Kraftwerk dort, das in Fenne, das Umspannwerk Stangenmühle, die Völklinger Hütte und das Blasstahlwerk – alles ist in Sichtweite.

Die Völklinger Fischzuchtanlage ließen wir links liegen.

Maiausflug auf die „Grühlingshalde“

2. Mai 2012

Für unseren 1. Mai-Spaziergang hatte meine Frau sich die Grühlingshalde ausgesucht. Die Abraumhalde der ehemaligen Grube Jägersfreude ist über verschiedene Wege zugänglich; wir gehen am liebsten von einer kleinen Parkbucht hinterm Orstausgang Rastpfuhl los. Das ist zwar der beschwerlichste Weg, aber er bietet auch die schönste Annäherung an den bizarr von Erosionsrinnen zerfurchten und weitgehend vegetationsfreien Gipfelkegel.

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So gerne wir alleine sind an solch beeindruckenden Orten und die sonst dort herrschende Ruhe genießen, so sehr freuten wir uns zu sehen, dass die Grühlingshalde bei verschiedenen Gruppen von Maiausflüglern angesagt war als lohnendes Ziel. Rund um die Aussichtsplattform verstreut feierten friedlich mehrere Gruppen unterschiedlichen Alters, sangen, spielten Konservenmusik ab und ließen es sich mit den mühsam hochgeschafften Getränkevorräten gut gehen. Schön, dass solche Orte immer beliebter werden; das wird helfen, dass sie auch künftig nicht vergessen und dem Verfall überlassen werden.

[ zu PopArt-Bildern der Grühlingshalde
und anderen Halden an Saar, Rhein und Ruhr ]

Und er bewegt sich doch:
Völklinger Stadtrat zum Namen des Stadtteils
„Hermann-Röchling-Höhe“

24. April 2012

Nach allem, was wir in den vergangenen Monaten erfahren mussten über rechtsextrem motivierte Anschläge auf vornehmlich türkischstämmige Völklinger Mitbürger – und das Gewese um ein acht Meter hohes Türmchen in Völklingen-Wehrden –, wäre es ein Zeichen, das die wohlfeilen Lippenbekenntnisse gegen Fremdemhass und (Neo)-Nazitum etwas glaubhafter aussehen lassen könnte:

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Dass die „SZ“ den Sachverhalt schon in der Überschrift verdreht darstellt und damit Waser auf die Mühlen der selbsternannten „Traditionspfleger” gibt, passt leider ins Gesamtbild dieser leidlichen Debatte.

P. S.: Die Stimmen mehren sich: Nur einen Tag später berichtet die „SZ“, dass sich der ehemalige Völklinger Oberbürgermeister Hans Netzer in die Debatte eingemischt und OB Lorig mittels einer Ausgabe der „Saarbrücker Hefte“ aus dem Jahr 2004 Nachhilfe in Geschichte gegeben hat. Gut so – hoffen wir, dass es auch fruchtet.

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P. P. S.: Einen weiteren Tag später: Ich lasse alle Hoffnungen fahren. Wer Anstoß nimmt an der Benennung eines Stadtteils nach einem verurteilten Naziverbrecher gegen die Menschlichkeit, muss sich jetzt in Völklingen als intoleranter Fanatiker diffamieren lassen:

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[ zu einem früheren Beitrag zum Thema ]

[ viel Wissenswertes zum Thema auf www.sarrelibre.de ]

Wieder mal unterwegs
in der Carrière Merlebach

3. April 2012

Unsere jüngste Tochter war für ein paar Tage da, mit Mann und Kind. Und fast auf den Tag genau nach unserem letzten Besuch in der Carrière Merlebach schien es uns eine gute Idee zu sein, diesen drei Stadtmenschen eine Landschaft zu zeigen, wie sie sie im Rheinland, wo sie wohnen, so schnell nicht finden können.

Keine 25 Kilometer von Völklingen entfernt, schläft diese riesige, Mutter Erde von Menschenhand zugefügte Wunde, ihren Dornrösschenschlaf.

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Bei aller Ambivalenz: Sich dort zu bewegen, sich dort umzusehen, gehört zum Großartigsten, was man hier weit und breit an „Industrienatur“ erleben kann. Noch ist es ein sehr „privates“ Vergnügen: An einem trockenen und nicht übermäßig kalten Samstagnachmittag waren außer uns nur zwei Angler zu sehen; man hat diese scheinbar unendliche Weite tatsächlich noch meist für sich ganz allein…

[ zu einem früheren Beitrag zur Carrière…]

„Das Saarland nimmt Abschied
vom Steinkohlenbergbau –
eine Rundreise zu Zeugnissen
der ehemaligen saarländischen Schlüsselindustrie“

28. März 2012

In Zusammenarbeit mit dem Institut für Landeskunde im Saarland hatte die Evangelische Akademie im Saarland zu einer Bustour eingeladen und dank der momentanen Präsenz des Themas Bergbau in den saarländischen Medien rund 200 Anmeldungen erhalten. Sonst hat man Mühe, einen 40-sitzigen Reisebus zu füllen. So waren viele unbekannte Gesichter an Bord des ungewohnten 50-Sitzers, und nächsten Sonntag wird die Tour auch ein zweites Mal gefahren.

Es ist erfreulich, dass das Thema so viele Interesse findet. Und auch, dass bei seiner Betrachtung die Schattenseiten von 250 Jahren Bergbau im Saarland nicht unter den Tisch fallen. Wir dürfen das Thema nicht allein den Technikfreaks, Bergbauromantikern und -nostalgikern überlassen. Sicher, die Pflege der bergmännischen Tradition ist wichtig, aber eine unvoreingenommene Betrachtung des Bergbaus in seiner Dialektik nicht minder notwendig: Der Bergbau brachte dem Land und seinen Bewohnern viel Segen, aber auch viel Schatten, und nur, wenn wir beides im Blick behalten, werden wir in der Lage sein, ein zutreffendes Bild der Geschichte zu „zeichnen“. Und dazu ist jetzt die Zeit, wo der aktive Bergbau auf Steinkohlen im Saarland nach über 250 Jahren endet.

Unsere Tour de Bergbau Saar startete in Velsen, wo nach teils heftigen Auseinandersetzungen momentan der Fortbestand des Erlebnisbergwerks gesichert scheint. Ab April will der Verein Erlebnisbergwerk Velsen als Pächter des ehemaligen Lehrstollens Führungen für Gruppen anbieten, jeweils donnerstags und freitags um neun und um zwölf Uhr sowie an jedem ersten Sonntag im Monat um zehn und um zwölf Uhr. Die Führungen übernimmt die Vereinigung der Berg- und Hüttenleute Dorf im Warndt. Wir sind gespannt.

Sehr interessant waren die kurzen Abstecher in Ludweiler und Geislautern; das scheinbar Banale kann so viel offenbaren…

Am Schwalbacher Neyschacht wartete die erste dicke Überraschung auf uns: Herr Haupenthal von der RAG öffnete uns die Maschinenhalle, ein Erlebnis von absolutem Seltenheitswert. Und auch in Ensdorf zeigte er uns die beiden Fördermaschinenhäuser von innen, und sogar die fast hundertjährige Dampfmaschine wurde eigens für uns angeworfen, und ihr Maschinist stand uns Rede und Antwort.

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Vom Mittagessen etwas matt, konnten wir uns fast eine halbe Stunde im Bus erholen, bis wir in Von-der-Heydt ankamen, wo Delf uns einige Besonderheiten des saarländischen Bergwesens anschaulich erklärte. Wir besuchten auch den „Zukunftsort Göttelborn“, wo die IKS offenbar begonnen hat, die eigene Zukunft leichtfertig zu verspielen: Auf der geplanten, offenen „Plaza“ inmitten des ehemaligen Holzplatzes ist ohne Not ein erster unschöner Zweckbau platziert worden. Warum weiß keiner, jedenfalls: Das ursprünglich schlüssige Konzept ist schon dahin. Aber Göttelborn bleibt einen Besuch wert, das gesamte ehemalige Grubengelände ist frei zugänglich, wie auch die Halde und der nahe Kohlbachweiher. Die 200 Meter sanfter Anstieg zum Umkehrpunkt am „Himmelspfeil“ lohnen wegen der grandiosen Aussicht auch für diejenigen, die nicht mehr so gut zu Fuß sind. Sehr zu bedauern ist, dass seit der Duisburger Love-Parade-Katastrophe keine Fahrten auf die 74 Meter hohe Seilbühne des Göttelborner Fördergerüsts, immer noch das modernste der Welt, mehr angeboten werden dürfen, weil – O-Ton – kein zweiter Fluchtweg existiert.

Vorbei an den Pingenfeldern nahe Itzenplitz ging es in den Heiligenwalder Ortsteil selbst, und nach einem Abstecher in Reden, wo wir nicht den Bus verließen, zeigte Delf uns noch in einer unscheinbaren Sulzbach-Altenwalder Seitenstraße die verheerenden Auswirkungen von Bergschäden auf die Bevölkerung. Durch den kleinteiligen Stollenausbau unter Tage „fallen“ die Häuser in verschiedene Richtungen, was nicht nur den Gleichgewichtssinn der Bewohner nachhaltig irritiert. Da die Häuser nicht einsturzgefährdet sind, gibt es auch keine Entschädigung für die Eigentümer. Wer nicht reich ist, bleibt hier wohnen; verkäuflich dürften diese Häuser nicht sein.

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Die Tour vermittelte mehr Eindrücke, als sich hier schildern lässt. Tatsächlich war weniges dabei, was ich nicht schon kannte, aber die komprimierte Form dieser Tour de force setzt mein Puzzle vom Bergbau an der Saar aus den letzten Jahren neu zusammen. Die Veranstaltungen der Evangelischen Akademie im Saarland, des Instituts für Landeskunde wie auch die Führungen und Seminare von Delf Slotta zum Thema sind unbedingt zu empfehlen, und beileibe nicht nur den „Fans“ des Bergbaus.

Glückauf!

Fotografische Spurensuche in Itzenplitz
Ausstellung in Landsweiler-Reden eröffnet.

26. Januar 2012

Im Mannschaftsgang des Zechenhauses in Landsweiler-Reden wurde heute die Foto-Ausstellung „Fotografische Spurensuche im Itzenplitz – ein historischer Bergwerksstandort wird entdeckt” eröffnet. Zur Erinnerung: Das Institut für Landeskunde hatte im Mai 2011 gemeinsam mit der Evangelischen Akademie im Saarland, der Gemeinde Schiffweiler und dem Förderverein Itzenplitz sowie der RAG Montan Immobilien zum Foto-Workshop eingeladen. Zum Start hatte Delf Slotta, Direkter des Instituts für Landeskunde, fast vier Stunden lang alle Interessierten durchs Projektgebiet geführt, und die RAG Montan Immobilien öffnete die Pforten zum normalerweise nicht zugänglichen Gelände der historischen Grube Itzenplitz und hat als ganz besonderes Schmankerl alle Teilnehmer mit einen zünftigen Bergmannsfrühstück bewirtet.

[ zum Beitrag über die Exkursion zum Start des Foto-Workshops ]

Bis September hatten die Teilnehmer Zeit, den Itzenplitz auf eigene Faust zu erkunden und ihre Ergebnisse bei der Evangelischen Akademie einzureichen, wo Hans-Hermann Bendzulla als deren Studienleiter und Delf Slotta dann schlussendlich aus rund 400 Arbeiten die 50 Motive auswählten, die ab heute in Landsweiler-Reden zu sehen sind.

Neben den beiden sprachen heute zur Eröffnung als Vertreter der anderen Mitveranstalter der Schiffweiler Bürgermeister Markus Fuchs, als Vorsitzender des Fördervereins Itzenplitz der Heiligenwalder Ortsvorsteher Rüdiger Zakrewski und Rudolf Krumm von der RAG Montan Immobilien. Alle waren sich einig, dass die geballte Fülle an historischen Bergbauzeugnissen hier vor Ort einzigartig ist und hoben die Bedeutung öffentlichkeitswirksamer Veranstaltungen wie unseres Workshops und der heute eröffneten Ausstellung hervor, wenn es eine Chance geben soll, all das vor dem unwiderbringlichen Untergang zu bewahren.

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Das Spektrum der gezeigten Arbeiten ist breit, die Fülle der Motive und Blickwinkel immens und reicht von ikonenhaften Inszenierungen der Fördergerüste bis zu scheinbar Abseitigem und ganz am Rande sehr leicht zu übersehendem, von ganz oldfashioned auf s/w-Rollfilm Gebanntem bis hin zu digital stark Nachbearbeitetem. Das macht auf jeden Fall Lust, sich den Heiligenwalder Ortsteil Itzenplitz einmal näher anzuschauen mit seiner Vielfalt an Zeugnissen bergbaulicher Vergangenheit, ganz besonders jetzt, im Jahr 2012, wo der Bergbau im Saarland nach über 250 Jahren endgültig endet. Seine alle Lebensbereiche formende Gestaltungsmacht lässt sich im Saarland noch vielerorts ablesen, aber kaum irgendwo so geballt und so facettenreich wie im Itzenplitz.

Die Ausstellung im Mannschaftsgang des Zechenhauses Reden ist noch bis zum 29. Februar, dienstags bis freitags von 9 bis 17 Uhr, an Wochenenden und feiertags von 10 bis 17 Uhr geöffnet. Montags geschlossen. Der Eintritt ist frei.

Asterix und die Kelten –
Neue Ausstellung im Weltkulturerbe Völklinger Hütte

14. Dezember 2011

In den vergangenen Jahren bekamen meine Frau und ich zu den Ausstellungseröffnungen des Völklinger Weltkulturerbes immer persönliche Einladungen per Post. Diesmal nicht. Ob ich hier im Blog zu frech war? Jedenfalls: Wenn ich nicht vorige Woche die Umdekoration vor der Gebläsehalle gesehen hätte, hätte ich es wohl erst aus der Zeitung erfahren. Ich geh’ wohl trotzdem hin. Und dem, was Doris Schmidt im Wochenspiegel schrieb, ist nichts hinzuzufügen; und zwar egal, ob sie es ironisch meinte oder nur vom Weltkulturerbe-Pressetext übernommen hat. Außer vielleicht: „Die spinnen, die Römer.“ Oder die Kelten, ist aber auch egal.

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Demnächst im gleichen Theater: „Mickey Mouse und die Panzerknackerbande – der Stahl, an dem sie sich die Zähne ausbissen.“ Untertitel: Die Wurzeln des Disney-Imperiums – in der Völklinger Hütte? Ich kann nicht mehr, ich lach’ mich schlapp. Und weil ich gerne lache, und fast so lange ich zurückdenken kann, über die Abenteuer von Asterix und seinem dicken Kollegen – immer und immer wieder – herzhaft lachen konnte, gehe ich wohl trotzdem hin. Vielleicht lese ich vorher nochmal ein paar der Sammelbände; immerhin hat Weltkulturerbe-Generaldirektor Dr. Grewenig heute noch im „Aktuellen Bericht“ des Saarländischen Rundfunks gesagt, man habe „alle 34 Bände archäologisch aufgearbeitet“, und – mit Verlaub – das will ich sehen und freue mich auf ein paar Originalzeichnungen und rechne mit ungeahnten Überraschungen! Die Geschichte von Asterix, den Kelten, der Hütte und auch die des Saarlandes muss wohl neu geschrieben werden.

Gehen Sie hin – das gab’s noch nie und wird’s bestimmt auch so schnell nicht wieder geben! Ich geh’ hin!